DAS SPIELE ICH : Das Oratorium als Laboratorium

Musiker verraten, warum ihnen ein Werk am Herzen liegt. Diesmal: Wolfgang Katschner, Dirigent .

FOTO:  STEFAN SCHWEIGER
FOTO:  STEFAN SCHWEIGER

Das Osterfest liegt gerade hinter mir und damit auch eine ergreifende Aufführung von Bachs Johannespassion. Ein theologisches Gegenstück dazu ist Händels für den Ostersonntag 1708 in Rom komponiertes Oratorium „La Resurrezione“ (Die Auferstehung). Der protestantisch geprägte Händel, der aus Halle über Hamburg nach Rom kam, war da erst 23. In der Textvorlage fand er plastische Bilder, lebhafte Dialoge und starke Gefühle, dazu hatte er sehr gute Sänger und ein reich besetztes Orchester zur Verfügung. Für mich ist es überaus faszinierend, zu sehen und zu hören, wie sich Händels musikalische Kreativität daran entzündet, mit wie viel Experimentierlust er seine Möglichkeiten erforscht und aus dem Oratorium ein Laboratorium macht: Kaum zwei Arien haben dieselbe Form und Instrumentalbesetzung, Klangfarben werden immer neu kombiniert, Stimmung und Ausdruck immer neu differenziert. In der Musik nehmen Situationen und Schauplätze fast greifbar Gestalt an und können zugleich intime Seelenlandschaften sein. So ist „La Resurrezione“ ein ganz besonderes Stück barocker Klangrede, das mit seinen Möglichkeiten Antworten auf die großen Fragen des Lebens geben kann.

Die Lautten Compagney spielt Händels „La Ressurezione“: Premiere 25.5., Radialsystem

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