DAS SPIELE ICH : Der reiche Klang

Musiker verraten, warum ihnen ein Werk am Herzen liegt. Diesmal: Steve Reich, Komponist

Ich werde oft gefragt, welchen Einfluss mein Afrikabesuch im Sommer 1970 auf „Drumming“ hatte. Die Antwort lautet: Bestätigung. Er bestätigte meine Intuition, dass man akustische Instrumente zur Erzeugung einer Musik einsetzen kann, deren Klang unverfälschter und reicher ist als der von elektronischen Instrumenten. (...) Als ich während des Kompositionsprozesses zunächst mit Trommeln arbeitete, bemerkte ich, dass ich manches Mal unwillkürlich mitsang, wobei ich mit meiner Stimme ihre Klänge nachahmte. Das brachte mich darauf, dass dies auch für die Marimbas und Glockenspiele möglich sein könnte. So entstand für „Drumming“ die grundlegende Vorgabe, dass die Stimmen nicht Worte singen, sondern eben genau den Klang der Instrumente nachahmen sollten. Die Frauenstimmen singen die Patterns, die entstehen, wenn zwei oder mehrere Marimbas gleichzeitig ein identisch sich wiederholendes Pattern um eine oder mehrere Viertel gegeneinander versetzt spielen. Indem die Sängerinnen exakt den Klang der Instrumente nachahmen und die Patterns sozusagen ein- und ausblenden, werden diese allmählich an die Oberfläche getragen, um dann wieder mit der Musik zu verschmelzen, wodurch diese Patterns, neben vielen anderen von den Instrumenten selbst hervorgebrachten, für die Zuhörer hörbar werden.

Kammermusiksaal, 25.3., 19 Uhr: Das Ictus Ensemble spielt „Drumming“ von Steve Reich

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