DAS SPIELE ICH : Die Tore zur Ewigkeit aufstoßen

Musiker verraten, warum ihnen ein Werk am Herzen liegt. Diesmal: Vladimir Stoupel, Pianist

FOTO:  STEPHAN ISARD
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„Sterben werde ich um zu leben“ heißt der zweite Teil des Mahler-Zyklus im Konzerthaus Berlin. Der Tod wird in dieser Aussage als ein notwendiger Schritt Richtung ewiges Leben angesehen. Die unerträgliche Vorstellung, nach dem Tode absolut zu erlöschen, wird dadurch gemindert, dass der Tod lediglich eine Stufe zur Ewigkeit darstellt. So setzte Franz Liszt mit seinen „Funérailles“ den Opfern einer blutigen Rache des K.u.K.-Militärs ein klingendes Denkmal. Ganz anders ist die Bedeutung des Trauermarsches in der Ersten Sonate f-Moll op. 6 von Alexander Skrjabin. Der junge Komponist befand sich im Jahre 1892 in der ersten tiefen Krise seines Lebens. Die Sonate ist sowohl ein Aufbäumen gegen das Schicksal, wie auch ein Abgesang auf die Ziele des Lebens, die Skrjabin sich gesetzt hat. Sie ist sein intimes Tagebuch, in eine absolut meisterhafte Form gegossen. Gleichwohl gibt es leise Abschiede ohne Prunk und Glanz, wie der langsame Satz der großen B-Dur Sonate von Franz Schubert. Er öffnet die Tore zur Ewigkeit im Schubertschen Sinne. Selbst nach dem die letzte Note verklungen ist, geht die Musik ihren Weg weiter. Sie wird für uns unhörbar, unmerkbar. Verschwindet aber nicht ganz. Sie bleibt für immer in unseren Herzen.

Konzerthaus Berlin: Soloabend Vladimir

Stoupel, 17.4., 20 Uhr

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