DAS SPIELE ICH : Frei wie ein Vogel

Musiker verraten, warum ihnen ein Werk am Herzen liegt. Diesmal: Sheila Jordan, Jazzsängerin

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FOTO:  PROMO

Als ich vor vielen, vielen Jahren versuchte, all die Charlie-Parker-Soli nachzusingen, hatte ich dabei nicht Träume von großer Popularität. Ausschlaggebend war die Liebe zu Charlie Parkers Musik. Schon als kleines Mädchen sang ich alle Arten von Musik. Aber erst als ich Bird hörte, wusste ich welche Art von Musik ich wirklich singen wollte. (…) In der Jazzmusik geht es vor allem um Feeling und Emotion. Das ist das allerwichtigste Ingrediens. Wichtig ist noch ein gutes Gehör, zudem: was entspringt deinem Kopf, was klopft in deiner Brust – die Emotion, das Herz – und der Rhythmus, die Fähigkeit, den Rhythmus in deinem Körper zu halten, ein Timekeeper zu sein. (…) Wenn du wirklich so engagiert bist, dass du zu einer Stimme mit den anderen Musikern verschmelzen kannst, dann kannst du überall hingehen, weil du es empfindest. Das ist eine ganz organische Sache, die sich vollzieht. Es ist eine Art spiritueller Vorgang. Und manchmal hast du das Gefühl, deinen Körper zu verlassen, eine erstaunliche, übersinnliche Erfahrung zu machen. Du weißt in diesen Momenten nicht mehr, wer du bist, wo du bist, du spürst beim Singen nur ein Gefühl des Fließens, einen Klang. Das ist eine unglaubliche Erfahrung. (...) Ich fühle mich frei, wenn ich singe. Ich fühle mich wie ein Vogel, der sich in die Lüfte erhebt.

Jazzfest Berlin: Sheila Jordan u. Steve Kuhn, 8.11., 15 Uhr , Haus der Berliner Festspiele

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