DAS SPIELE ICH : Kontemplationen über das Jesuskind

Musiker verraten, warum ihnen ein Werk am Herzen liegt. Diesmal: Martin Helmchen, Pianist .

FOTO:  GIORGIA BERTAZZI
FOTO:  GIORGIA BERTAZZI

Immer mal wieder überlege ich, aber es kommt mir einfach keines in den Sinn. Irgendein Stück, das wenigstens annähernd mit Olivier Messiaens Klavierzyklus „Vingt Regards sur l’Enfant-Jésus“ vergleichbar wäre. Die Goldberg-Variationen, so verschieden sie sind, kommen vielleicht noch am nächsten. Denn erstens gibt es so wie gut wie keine explizit geistliche Musik für Klavier. Nicht mal von Johann Sebastian Bach, der zwar unter alles „Soli Deo Gloria“ geschrieben hat, aber offenlässt, ob und wie man sich dieser Gottesehre zuwendet. Olivier Messiaen aber zieht uns in die Meditation. Zweitens kenne ich kein zweites Klavierwerk, das ein derart umfangreicher, im Innersten zusammenhängender Kosmos ist (motivisch, thematisch und dramaturgisch), aber noch, an einem Stück hintereinandergespielt, verdaut werden kann. Schließlich Messiaens an alle pianistischen Grenzen gehender Erfindungsreichtum und die unglaublich farbige, assoziative Klangsprache. Immer noch kompositorisch faszinierend und relevant, und trotzdem absolut intuitiv begreif- und erfühlbar.

Ich bin seit zehn Jahren verliebt in dieses Stück, und immer noch kein Ende in Sicht …

Radialsystem V: Martin Helmchen spielt „Vingt Regards sur l’Enfant-Jésus“ von

Olivier Messiaen, 23.12., 20 Uhr

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