DAS SPIELE ICH : Werden und wachsen

Musiker verraten, warum ihnen ein Werk am Herzen liegt. Diesmal: Cornelius Meister, Dirigent

FOTO:  ROSA FRANK
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Ich erinnere mich gut an meine erste Begegnung mit den Martinu-Sinfonien vor mehr als zehn Jahren. Ein Freund hatte mich auf diese Werke aufmerksam gemacht, die mir gänzlich unbekannt waren. Der Beginn der Ersten Sinfonie ist für mich einer der stärksten Werkanfänge der gesamten Literatur überhaupt. Es entsteht etwas Unbeschreibliches: Es wird und wächst. Einen verwunschenen, magischen Klang zaubert Martinu durch seine Instrumentierung. Das Geheimnis lässt sich schwer erklären, aber es lässt sich sprechen von einigen Tricks, die er verwendet. Wenn die Celli in einem Akkord den Grundton spielen, lässt Martinu häufig die Kontrabässe eine Quarte unter den Celli spielen. Beim Hörer erweckt dies nicht den Eindruck, dass statt der Dreiklangs-Grundstellung nun der Quartsext-Akkord erklingt, sondern vielmehr ergänzt das menschliche Ohr einen weiteren ganz tiefen Ton – den Grundton, zu dem der Kontrabass-Ton einen Oberton darstellt. Man meint also einen besonders tiefen Ton zu hören, obwohl niemand ihn spielt. Ich bin überzeugt, dass Martinus Erste Sinfonie bei allen, die sie noch nie gehört haben, die gleiche Begeisterung auslösen wird wie bei mir, als ich 18 war.

Cornelius Meister gibt sein DSO-Debüt:

13.2., 20 Uhr (Martinu, Haydn und Liszt)

14.2., 20.30 Uhr (Martinu), Philharmonie

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