Zeitung Heute : Das Trojanische Pferd: Der fieseste Trick aller Zeiten

Ingo Bach

Auch die alten Griechen hatten ihre Tagesschau. Aber zu ihrer Zeit gab es natürlich noch kein Fernsehen. Deshalb reisten Geschichtenerzähler durch das Land und berichteten das Neueste aus Politik und Kultur.

Einer dieser Geschichtenerzähler hieß Homer. Er berichtete von einem gewaltigen Krieg, in dem die Griechen gegen die mächtige Stadt Troja kämpften. Doch als Homer lebte, war dieser Krieg schon 400 Jahre vorbei. Und weil die Geschichte so alt war und Homer sie so gut erzählte, hielten sie alle für eine Erfindung. Es war ja auch schwer zu glauben, dass sogar Götter bei dem Kampf mitgemacht haben sollen und entweder den Griechen oder Trojanern halfen, je nachdem, wen von beiden sie mehr mochten. Und auch die Geschichte vom Trojanischen Pferd klang geschwindelt.

Aber gerade diese Geschichte erzählte Homer besonders gern: Es war ein ganz fieser Trick, mit dem die Griechen den Krieg nach zehn Jahren gewannen. Die griechischen Soldaten packten scheinbar ihre Sachen ein und zogen fort. Aber in Wahrheit marschierten sie nur um den nächsten Berg, um sich dort zu verstecken. Vor den trojanischen Stadtmauern ließen sie ein riesengroßes Holzpferd zurück. Und darin versteckten sich ein paar von ihnen. Das wussten die Trojaner aber nicht. Die waren froh, dass der Krieg nun endlich vorbei war. Und aus Freude über den Sieg holten sie das Pferd in die Stadt, als Siegestrophäe. Doch nachts, als die Trojaner schliefen, krochen die Griechen aus dem Bauch des Pferdes und öffneten für ihre Kameraden heimlich die Stadttore. Kurz darauf war Troja besiegt.

Doch Homers Zuhörer lachten nur. "Das kann doch gar nicht wahr sein", sagten sie. Fast 3000 Jahre lang dachten die Menschen, Homer habe sich die Geschichte vom Trojanischen Krieg nur ausgedacht. Doch vor wenigen Jahren fanden Wissenschaftler Beweise. Wissenschaftler, die in der Erde nach Spuren unserer Geschichte suchen, nennt man Archäologen. Und die entdeckten in der Türkei Reste der Stadt Troja und auch Spuren des Trojanischen Krieges. Ganz vorsichtig und langsam, manchmal mit Spaten, manchmal nur mit Pinsel und Pinzette, buddelten sie Löcher in einen Hügel. Im Laufe von vielen Tausend Jahren waren die Ruinen von Troja zerfallen und der Wind hatte eine dicke Schicht Sand darüber geweht. In dem unansehnlichen Hügel fanden die Archäologen Mauerstücke, Töpfe, Krüge und sogar goldenen Schmuck. Homer hatte also doch Recht! Nur das Trojanische Pferd blieb verschwunden. Da hat der Dichter wohl doch ein bisschen geflunkert, um seine Geschichte spannender zu machen.

Aber wie hat Homer überhaupt von diesem Krieg wissen können? Er war doch gar nicht dabei. Aber er konnte gut zuhören. Der Dichter erfuhr von dem uralten Krieg, weil diese berühmte Geschichte immer wieder vom Großvater an den Enkel weitererzählt wurde, bis er davon erfuhr und daraus ein ganz langes Gedicht machte. Und bis auf den heutigen Tag hören Kinder und Erwachsene die Geschichte vom Trojanischen Krieg immer wieder gerne.

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