Zeitung Heute : Das UN-Großprojekt

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Das Ölfür-Lebensmittel-Programm war die größte humanitäre Hilfsaktion in der Geschichte der Vereinten Nationen. Um die leidende irakische Bevölkerung zu versorgen, durfte das Hussein-Regime ab 1996 trotz des geltenden Embargos wieder Öl verkaufen. Allerdings durften die Erlöse nur auf ein Treuhandkonto bei der Bank BNP Paribas gezahlt werden. Anschließend mussten irakische Behörden den Bedarf an Lebensmitteln beim UN-Sekretariat anmelden und entsprechende Lieferverträge mit Firmen aus aller Welt genehmigen lassen. Nach der Lieferung wurden sie vom Treuhandkonto bezahlt.

Zur Kontrolle begutachteten ein Dutzend Ölmarktexperten im Auftrag der UN die Ölverträge und Zollfachleute prüften die Verträge für die Hilfsgüter. Im Irak selbst und im türkischen Pipelinehafen Ceyhan überwachten Inspekteure der holländischen Firma Saybolt die Ölverladung. Teams der britischen Firma Lloyds Register und später des Schweizer Unternehmens Cotecna prüften den Import der Hilfsgüter im Irak.

Insgesamt gingen vom Dezember 1996 bis Mai 2003 64,2 Milliarden Dollar auf dem Treuhandkonto ein. Weitere 5,2 Milliarden Dollar brachten Zinsen und Wechselkursgewinne. Davon wurden Hilfslieferungen im Wert von 42,7 Milliarden US-Dollar bezahlt, zeitweilig wurden bis zu 440000 Tonnen Lebensmittel pro Monat geliefert. Weitere 18 Milliarden Dollar erhielten die Opfer des irakischen Angriffskriegs gegen Kuwait. Nach Abzug der Kosten für die UN-eigenen Operationen und die Öltransporte blieben 8,1 Milliarden Dollar übrig . Diese Summe erhielt die US-geführte Militärregierung in Bagdad für Ausgaben beim Wiederaufbau.

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