Zeitung Heute : Das unverschämte Glück, einmal Casanova zu sein

Deike Diening

Der berühmteste Single der Geschichte hatte einen Koffer in Berlin - aber nicht nur deswegen könnte es sich lohnen, ihm nachzueifernDeike Diening

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Giacomo Casanova
besuchte 1764, 1784 und 1795 Berlin
Foto: AGK Pressebild

Frage:
Mit wem hatte er eine Affäre?

Nennen Sie den Namen seiner letzten Berliner Eroberung

Einmal Casanova sein. Mancher Mann träumt davon. Giacomo Casanova, berühmtester Single der Geschichte, hatte einen Koffer in Berlin. Aber nicht nur deswegen könnte es sich lohnen, ihm nachzueifern. "Stets und überall ging ich der Sinnenlust nach; ich habe niemals eine wichtigere Aufgabe gekannt. Ich fühlte mich für das schöne Geschlecht geboren, ich habe es immer geliebt und mich von ihm lieben lassen, soviel es nur anging." Das schrieb Casanova 1797 in seinen "Erinnerungen". Solche Erinnerungen hätten auch andere gerne. Als Casanovas Wiedergänger von Frauen verehrt und begehrt werden: ein erstrebenswerter Status fürwahr ­ doch so einfach ist das nicht. Denn diejenigen, die den Traum in die Wirklichkeit umsetzen wollen, machen mitunter keine gute Figur. Sie werden nicht Meister der Liebeskunst, sondern bleiben Schürzenjäger, die von Frauen allenfalls belächelt werden. Auch wer mit Geld und Macht versucht, immer wieder neue hübsche und junge Frauen an seine Seite zu ziehen, erntet nicht oft Bewunderung. Schönheit, Geld und Macht sind nur nebensächliche Attribute des Casanovas. Seine eigentlichen Qualitäten sind subtilere. Es ist, als besitze er einen Schlüssel zu den Seelen der Frauen. Er wird erst erwartet, dann genossen und noch im Andenken hoch geschätzt. Vor allem: Er scheint rein gar nichts dafür zu tun.

Man sieht es nicht. Oder haben Sie schon je einen echten Casanova entdeckt, der sich an einer eisernen Muskelmaschine abrackerte? Doch wer nach dem Vorbild Casanovas Erfolg bei den Frauen haben will, der kann sehr wohl eine Menge tun. Er kann direkt bei Casanova lernen (oder andere Ratgeberbücher lesen), oder Männermagazine studieren. Zwar bleibt der Erfolg Casanovas letztlich ein Rätsel, doch einige Dinge kann der Mann durchaus beherzigen.

1. Seien Sie langsamer als Ihr Ruf. Der Ruf ist schon der halbe Erfolg ­ lassen Sie ihn vorauseilen und gehen Sie sicher, dass er vor Ihnen das Objekt der Begierde erreicht. Idealerweise beinhaltet der Ruf mehr als die anzeigenüblichen Vorteile. Er umfasst liebenswerte Charaktereigenschaften, unbestätigte Halbwahrheiten, pikante Details. Es entstehen Gerüchte? Umso besser. Bestätigen Sie nichts und führen Sie keine Dementi. Unwissenheit hat noch immer die Spannung geschürt. Sie bereitet Ihnen den Boden für alles Weitere.

2. Konsumieren Sie nicht. Legen Sie Ihre Eroberungen nie auf Masse an. Das wird bemerkt und unerbittlich von den Frauen mit Nichtbeachtung bestraft. Am schlimmsten sind nämlich diejenigen, die mit allen Mitteln Casanovas werden wollen. Es kommt ja auch nicht von ungefähr, daß sich die Frauen Giacomo Casanovas, wissend, daß sie nicht die einzigen waren und bleiben würden, in keiner Weise ausgenutzt fühlten. Die Würde muss man den Frauen schon lassen.

3. Keine Abhängigkeiten. Von nichts und niemandem. Nicht von der Mutter, nicht von Substanzen, nicht von Vorurteilen, nicht von Geld. Es ist der freie Wille, der anzieht. Nur so besteht der Charakter für sich. Casanova selbst fand das auch: "Ich will meinen Lesern bekennen, daß alles, was ich im Laufe meines Lebens Gutes oder Schlechtes getan, mein eigenes Verdienst oder aber mein eigenes Verschulden ist, und daß ich daher konsequenterweise an die Freiheit meines Willens glaube."

4. Legen Sie Wert auf Äußeres. Verwenden Sie deutlich mehr Zeit und Geld für Körperpflege und Kleidung, als Sie es bislang tun. Gepflegtes Äußeres ist nicht der letztentscheidende Grund für den Erfolg, aber ohne gepflegte Erscheinung geht gar nichts. In Männerzeitschriften stehen tatsächlich Dinge drin, die in dieser Hinsicht nützen. Darin geht es nicht nur um aktuelle Herrenmode, sondern auch um grundlegende Sachen. Wie man Kondome benutzt, eine Anleitung zum Hingucken-und-sich-nicht-dafür-schämen, Tipps für Sport und Ernährung, wie man seine Handschrift verbessert, was der erste Eindruck bei Frauen bedeutet, was am Strand zu tragen ist und ­ wie man Schuhe richtig putzt.

Diese Zeitschriften, eine Art "Bravo" für Erwachsene, können manchem Mann nützliche Tipps für seine Erscheinung geben. Doch Vorsicht. Frauen lieben zwar das Ergebnis, aber nicht die Bemühung. Lassen Sie keine Frau merken, dass Sie Männerzeitschriften lesen.Dieser Lebenshilfe haftet etwas Unmännliches an. Ist von Ihnen die Rede, tun Sie so, als würden Sie sie gar nicht kennen.

5. Flirten Sie. Wann immer Sie können. Ohne feste Absicht. Einfach nur, um sich einen kleinen schönen Moment zu bereiten. Lesen Sie Flirtratgeber aus dem gleichen Grund wie Männerzeitschriften, aber verstecken Sie sie gut oder werfen Sie sie nach der Lektüre weg. Sie bieten eine Menge Benimmregeln. Lernen Sie sie. Denn erst, wer die Regeln kennt, kann sie auch charmant ignorieren.

6. Übertreffen Sie Erwartungen. Das Beste sind Männer, die keine Angst vor Klischees haben. Die müssen nämlich nicht aus lauter Originalität keine Rosen schenken. Immer gut: Klischees, die süß sind. Pralinen zum Beispiel.

7. Wenn es ernst wird ­ seien Sie gegenwärtig. Es ist zwar Ihr Ruf, der Ihnen die Tore öffnet, doch wenn Sie den Frauen gegenüber stehen, muss an seine Stelle eine überzeugende Präsenz treten. Also reden Sie um Himmels willen nicht gockelig über Ihre Eroberungen. Das hat sie längst schon gehört (siehe Punkt 2). Lassen Sie die Bilder weg, und beleben Sie die Gegenwart. Jetzt zählen Taten. Denn erst eine überzeugende Gegenwart wird später zu einer rosaroten Vergangenheit.

8. Lieben sie die Frauen. Ein Taktierer, der sich gar nicht erst verliebt, weil er nicht den Mut hat, sich der Liebe auszusetzen, bleibt in schlechter Erinnerung. Nur weil er nicht liebt,kann er so gut taktieren. Kierkegaard beschreibt in seinem "Tagebuch eines Verführers" die männliche Strategieführung derart explizit, dass dem weiblichen Leser schon ganz anders wird. Er will die Dame mattsetzen, und jeder Schachzug ist kalkuliert. Kein Wunder, daß er von den Frauen nach vollbrachter Tat gelegentlich auch einmal verachtet wird. Nicht so der Casanova ­ der ist sinnlich. "Trotz der ausgezeichneten moralischen Grundsätze, die in mein Herz gepflanzt waren, bin ich mein ganzes Leben hindurch Opfer meiner Sinne gewesen", schrieb der Meister. Der Casanova lässt sich ein. Entdeckt weiche Stellen, respektiert sie. Auch er selber kennt die Leidenschaft. Casanova liebt die Frauen immer. Und deshalb verführt er. Fast aus Versehen. Casanova in Berlin

Dreimal hat es Giacomo Casanova, den alten Venezianer, auf seinen Streifzügen durch Europa auch nach Berlin verschlagen, 1764, 1784 und 1795. Jedesmal erhoffte er sich, eine Stellung bei Hofe zu finden, stets waren seine Bemühungen vergeblich. Besonders der letzte Besuch muß für Giacomo Casanova ernüchternd gewesen sein, unterlag er dabei doch Friedrich II. in einem rhetorischen Florettgefecht, einem Musterbeispiel höfischer Konversation. Auf Anraten eines Bekannten, der am Hofe in hoher Gunst stand, hatte Casanova kurzerhand an den König geschrieben und um eine Unterredung gebeten, die tatsächlich wenige Tage später im Garten von Sanssouci stattfand. Das Gespräch drehte sich um alle möglichen Dinge, um Gartenbau, Hydraulik, die Theorie des Steuerwesens, offenbar wollte Friedrich, ein schlauer Fuchs, den Bewerber auf seine Verwendbarkeit prüfen. Ein Vorstellungsgespräch also, das der Alte Fritz mit einem sanft ironischen Kompliment abschloss: "Wissen Sie, Sie sind ein sehr schöner Mann." Der König hatte den Luftikus durchschaut, das Angebot war entsprechend: Erzieher an einer Kadettenschule. Casanova lehnte dankend ab und zog weiter, nach Moskau. So spielen Sie mitDer Tagesspiegel veröffentlicht vom 9. bis zum 22. August in 14 Folgen täglich eine Single-Memory-Aufgabe. Lösungen können Sie uns auf vier Wegen zukommen lassen:
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