Zeitung Heute : Das Vaterland retten

Stephan Wiehler

Wie ein Vater die Stadt erleben kann

In dieser Woche ist mir klar geworden, dass wir Väter sehr viel Verantwortung tragen. Nicht nur für unsere Kinder und Familien, sondern für die ganze Nation. Darum heißt es ja auch Vaterland.

Noch Mittwoch früh fühlte ich mich so hilflos, nachdem ich erfahren hatte, dass in Berlin beinahe ein Meteorit eingeschlagen wäre, der aber rechtzeitig verglüht war. Es traf mich wie ein Schlag. Ein Fingerzeig Gottes, dachte ich, und mir ging es wie Reinhard Mey „über den Wolken“, als „würde, was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein“.

Aber dann las ich die Rede von Horst Köhler, die er am Tag zuvor beim Arbeitgeberforum gehalten hatte – und ich schöpfte neues Selbstvertrauen. Der Bundespräsident erinnerte an die Zuversicht der Nachkriegszeit, als wir zu Wohlstand und Ansehen kamen, weil unser „VW Käfer in aller Welt lief und lief und lief“. Er sagte, wir brauchen wieder große Ideen und den Mut, sie zu verwirklichen. Und dass wir „dicke Reformbretter bohren müssen“ – auch wenn das „über Legislaturperioden hinweg“ dauert. Zuletzt zitierte er Edison (den mit der Glühbirne), der gesagt hat: „Erfindet alle zehn Tage eine kleine Sache – und alle sechs Monate ein großes Ding.“ Da ging mir ein Licht auf. Ich beschloss, selbst etwas für mein Land zu tun: Damit nicht wieder Legislaturperioden verstreichen, bevor sich etwas tut, reformiere ich den Bundestag und wähle nächstes Jahr eine Partei, die bisher nie im Parlament war. Als Vater habe ich da an die Familienpartei gedacht. Bei der Bundestagswahl 2004 kam sie auf ein Prozent – das schien mir ausbaufähig. Es gibt sogar einen Berliner Landesverband mit eigenem Internet-Auftritt. Bei näherem Hinsehen stellte sich jedoch heraus, dass die Partei selbst schwer reformbedürftig ist. Die Website wurde letztmalig im Juni 2003 aktualisiert. Unter der Rubrik „Positionen“ wird zum „Wiederstand gegen die Erhöhung der Kita- und Hortgebühren“ aufgerufen. Ich schrieb eine E-Mail, um auf den Rechtschreibfehler hinzuweisen, aber die angegebene Adresse stimmte nicht.

Ich wähle jetzt die Grauen Panther. Der Geist der Trümmerfrauen bläst bestimmt frischen Wind ins Land.

Treten Sie zur nächsten Wahl mit einer eigenen Partei an. Wie das geht, erklärt der Landeswahlleiter, Alt-Friedrichsfelde 60, 10315 Berlin, Tel. 9021 3633, www.statistik-berlin/wahlen.

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