Zeitung Heute : Das versteckte Schwimmbad und der Riesenföhn

Zum 35. Geburtstag des Lehrtheaters der UdK Berlin: Ein Blick hinter die Kulissen des UNI.T

Sarah Borquez

Kaltes Neonröhrenlicht erhellt den schmalen, weiß gestrichenen Gang im Unterbühnenbereich. Oliver Brendel stoppt vor einer schwarzen Metalltür mit Sicherheitsaufkleber. „Hier ist der Wind eingesperrt!“, sagt er grinsend und öffnet die Tür. Ein warmer Windzug kommt ihm entgegen. „Ein sensationeller Raum!“ Brendel ist künstlerischer Mitarbeiter und Dozent für Bühnenbild an der UdK Berlin. Das UNI.T, das Lehrtheater der UdK Berlin, erkundete er schon 1979, als er hier mit dem Studium des Bühnenbilds begann. 35 Jahre alt ist das Theater inzwischen und birgt viele Geschichten und Geheimnisse – Oliver Brendel kennt sie alle.

Der sensationelle Raum ist ein Abluftraum – eigentlich nichts Besonderes –, aber mit ein wenig Fantasie wurde dieser Raum vor einigen Jahren kurzerhand in einen überdimensionalen Föhn umfunktioniert. „Eine meiner Studentinnen wollte eine Landschaft aus Kohlestücken auf die Bühne bringen. Statt echter Kohle entschied sie sich für kleine Filzstücke, die zuerst mit einer flammenhemmenden Flüssigkeit imprägniert werden mussten.“ Die getränkten Filzstücke aber wollten nicht wieder trocken werden! „Da kam unser Schlosser auf die Idee, die Lüftungsanlage als Föhn zu nutzen.“ Die Filzstücke wurden in Regalen in den Abluftraum gestellt und die Lüftungsanlage auf „Sturm“ geschaltet. Nach sechs Stunden waren sie trocken und der Premiere stand nichts mehr im Wege.

Ein weiterer spektakulärer Raum befindet sich im Unterbühnenbereich. „Hier haben wir unser Schwimmbad!“, erzählt Brendel. Zum Schwimmen lädt der dunkle muffige Raum nicht ein, aber dafür ist er auch nicht gedacht: Fast jedes Theater verfügt über ein großes Wasserbassin, das im Notfall die Feuerwehr mit weiterem Wasser versorgen kann. Im UNI.T ist es zum Glück noch kein einziges Mal zum Einsatz gekommen.

„Paul Baumgarten, der Architekt des UNI.T, legte Wert darauf, dass sein Lehrtheater normalen Theatern in nichts nachstand“, erzählt Brendel, während er auf einem kleinen Pult mitten im Zuschauerraum einige alte Baupläne ausbreitet und mit dem Finger den Grundriss entlangfährt. „Der Bau des Theatersaals war eine Herausforderung, denn es sollte ein Multifunktionsraum entstehen, ein Saal, der für Oper- und Theaterinszenierungen genutzt werden kann.“ Als Lehrtheater sollten die Räumlichkeiten Werkstattatmosphäre ausstrahlen. Daher ließ Baumgarten die Wände nicht verputzen sondern nur lasieren. Auch die Beleuchtergalerien verkleidete er nicht, sondern ließ sie offen sichtbar. Raffinessen wie eine Hubbühne und eine Drehscheibe ließ er in die Bühne integrieren. Im hinteren abgetrennten Bühnenbereich sollten alle Bühnenmaterialien gelagert werden. Doch das Magazin erwies sich als viel zu klein, daher lagern die Materialien heute in einer bunten Überseecontainerlandschaft im Hinterhof.

Nicht nur der Bühnenkorpus ist frei wandelbar, sondern auch der Zuschauerraum: Er kann mit wenigen Handgriffen beispielsweise in eine Arena oder sogar in eine große ebenerdige Halle verwandelt werden.

Eine Besonderheit des Theaters sind die verglasten Außenwände. Vor ihnen hängen meist schwarze, schwere Stoffbahnen und verstecken die dahinterliegenden komplett doppelverglasten Fensterfronten. „Früher konnte man per Knopfdruck den Vorhang, der sich zwischen den beiden Glasscheiben befindet, auffahren lassen, nach draußen schauen und die Außenwelt ins Spiel mit einbeziehen“, berichtet Brendel. Aber 35 Jahre hinterlassen ihre Spuren: Mittlerweile ist die Mechanik beschädigt, so dass die Vorhänge nur noch selten per Hand aufgezogen werden.Sarah Borquez

Vom 15. bis 17. Juli lädt der Studiengang Bühnenkostüm Besucher zu offenen Kostümproben ins UNI.T in der Fasanenstraße 1B ein.

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