Zeitung Heute : Das Vertrauen ist nicht verbraucht

Maren Peters

Im Januar haben sich in Deutschland Konsum- und Geschäftsklima drastisch veschlechtert. Welche Folgen hat das für die Konjunktur?


Das Jahr ist noch lang. Darum wäre es auch etwas voreilig, aufgrund mancher Umfragen und Prognosen im Januar gleich das ganze Jahr 2007 abzuschreiben. Aber Indikatoren wie der Konsumklimaindex oder der Ifo-Geschäftsbericht geben den Ökonomen neben einem Lagebericht auch immer Hinweise, wohin die Reise gehen könnte. Und so viel steht bereits fest: Obwohl die Umfragen des Münchner Ifo-Instituts und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) insgesamt überraschend schlechte Werte ans Tageslicht befördert haben, glauben Unternehmer und Verbraucher fest daran, dass es nach kurzem Mehrwertsteuerschock mit der Konjunktur weiter bergauf geht. „Wir spüren keinen dramatischen Einbruch im Januar“, sagte Hubertus Pellengahr, Sprecher des Einzelhandelsverbandes HDE, dem Tagesspiegel. „Wir sehen das entspannt.“

Auch das Ifo-Institut rechnet wegen der höheren Mehrwertsteuer nur für ein bis zwei Monate mit einem schwächeren Konsum. „Danach müsste die Konjunktur aber wieder Fahrt aufnehmen“, prognostizierte Ifo-Ökonom Klaus Abberger. Der starke Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindexes, der im Januar von zuvor 108,7 auf 107,9 Punkte abgesackt war, hat auch die Börsen am Donnerstag nicht aus der Fassung bringen können.

Der Geschäftsklimaindex ist das wichtigste Stimmungsbarometer der Wirtschaft. Rund 7000 Unternehmer beurteilen darin ihre derzeitige Lage und die Erwartungen für das nächste halbe Jahr. Die Industrie bleibt optimistisch: Die Lage sei zwar etwas schlechter als im Dezember, aber immer noch sehr gut. Ihre Erwartungen an die weitere geschäftliche Entwicklung sind schon zum vierten Mal in Folge – gestiegen. Das liegt nach Meinung der Ifo-Forscher vor allem am gesunkenen Ölpreis, dem stabilen Wechselkurs und der konjunkturellen Entwicklungen im Ausland. Interessant ist, dass vor allem die lange kriselnde Bauindustrie und der Einzelhandel wieder zuversichtlicher geworden sind.

Die Händler lassen sich durch den Konsumstreik der Verbraucher nicht aus der Fassung bringen. Wegen der Steuererhöhung war deren Lust, einkaufen zu gehen, im Januar nur mäßig ausgeprägt. Das hat dazu geführt, dass der GfK-Konsumklimaindex im Januar drastisch eingebrochen ist, von 8,5 auf 4,8 Punkte – der größte Absturz innerhalb eines Monats seit 1980. „Offenbar herrscht unter den Konsumenten zurzeit noch erhebliche Verunsicherung darüber, wie sich die höhere Mehrwertsteuer tatsächlich auf die Preise ausgewirkt hat“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Das Vertrauen der Verbraucher in einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung und steigende Einkommen habe sich aber trotzdem gefestigt. Darauf hofft auch der Handel: „Wenn die Wirtschaft wächst, wirkt sich das auch positiv auf die Beschäftigung aus“, sagt HDE-Sprecher Pellengahr. „Dann werden die Leute auch wieder mehr konsumieren.“

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