Zeitung Heute : „Das wäre teuer“

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Die SPD überlegt die Wiedereinführung der von ihr im Jahr 2000 abgeschafften Erwerbsunfähigkeitsrente. Würde das Sinn machen, Herr BörschSupan?

Eigentlich wird die komplette Erwerbsunfähigkeit bereits jetzt durch die geltende Erwerbsminderungsrente abgedeckt. Die Wiedereinführung einer Erwerbsunfähigkeitsrente wäre deshalb ziemlich überflüssig. Früher gab es dazu allerdings die Berufsunfähigkeitsrente. Man konnte in bestimmten Berufen eine frühe Rente bekommen, weil der Beruf nicht mehr ausgeübt werden konnte. Das gibt es jetzt nicht mehr: Ein Dachdecker bekommt nicht deswegen eine Rente, weil er seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, sondern er muss etwas anderes tun.

Weshalb wurde die Erwerbsunfähigkeitsrente damals abgeschafft?

Das Argument war, dass eine alternde Gesellschaft ihre Leute richtig einsetzen muss. Wer nicht mehr auf dem Dach stehen, aber noch im Lager Abrechnungen machen kann, der sollte weiterhin arbeiten. Wir können es uns nicht leisten, Leute in Rente zu schicken, nur weil wir sie umschulen müssten.

Sind denn Ausnahmen für bestimmte Berufsgruppen überhaupt machbar?

Nein, weil Berufe ja nicht wirklich scharf abgrenzbar sind. Ein Dachdeckermeister zum Beispiel macht zur Hälfte schon andere Aufgaben, als nur Ziegel zu verlegen. Es ist nicht einzusehen, dass er dafür schon früher in Rente gehen kann.

Wie teuer wären die jetzt gemachten Vorschläge?

Wenn ein entsprechendes Gesetz sehr weich formuliert werden sollte, würde das sehr teuer werden. In der Altersgruppe zwischen 50 und 64 Jahren sind bei uns fünf Prozent erwerbsunfähig. In Ländern wie Dänemark und Holland mit großzügigen Ausnahmeregeln sind es bis zu 13 Prozent. Die Kosten würden sich also mindestens verdoppeln.

Axel Börsch-Supan ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Rentenexperte an der Universität Mannheim.

Das Gespräch führte Fabian Leber.

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