Zeitung Heute : Das Wasser des Lebens

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Der Grand Canyon wird künstlich geflutet. Wie kommt es, dass auf diese Weise das Ökosystem der berühmten Schlucht neu belebt wird?

Über Millionen von Jahren hat sich der Colorado River in das Gestein des Colorado Plateaus gegraben. Dabei hat er eine gewaltige Schlucht – den Grand Canyon – geschaffen: 450 Kilometer lang, zwischen sechs und 29 Kilometer breit und bis zu 1600 Meter tief. Durch den Bau des GlenCanyon-Staudamms, der 219 Meter hoch ist und den Strom für Las Vegas und Los Angeles erzeugt, ist seit den 60er Jahren nur noch weitgehend schwemmstoffarmes Wasser in das Ökosystem des Colorado River gelangt. Viele Pflanzen und Tiere sind dadurch bedroht.

Vier der acht Fischarten, die noch vor 40 Jahren im Grand Canyon zu Hause waren, sind inzwischen ausgestorben. Seit dem Bau des Staudamms sind zudem 30 Prozent der Sandstrände entlang des Ufers verloren gegangen.

Deshalb haben Forscher den Staudamm jetzt für vier Tage geöffnet und lassen bis Donnerstag eine riesige Wasserflut mit mehr als einer Million Tonnen Sand, Schlamm und Sedimente in den Fluss spülen. Die 90-stündige Aktion soll die abgetragenen Strände, Buchten und Sandbänke des Colorado wiederherstellen und den im Grand Canyon beheimateten Vögeln, Fischen und Pflanzen verlorenen Lebensraum zurückgeben. „Wir versuchen, die Überreste des Ökosystems zu retten“, sagt Jeff Cross von der Nationalparkverwaltung. Der Durchfluss des Stroms wird dabei auf die enorme Menge von maximal 1230 Kubikmeter pro Sekunde gesteigert. Sie sollen 800000 Tonnen Sediment in Bewegung bringen.

Nicht allen kommen die Wassermassen gelegen. So wurde eine weitere bedrohte Lebensform – die Schnecke Oxyloma haydeni kanabensis – vorsorglich teilweise evakuiert. mis

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