Zeitung Heute : Das weiße Gold

KPM-Porzellan zählt zu den traditionsreichsten Produkten Berlins – und das seit 1763

Michael Zajonz

Wenn der Regierende Bürgermeister die englische Königin besucht, hat er KPM-Porzellan als Gastgeschenk im Gepäck. Noch immer genießt die 1763 von König Friedrich dem Großen übernommene Manufaktur einen ausgezeichneten Ruf – auch wenn das jüngst privatisierte Landesunternehmen in den letzten Jahren durch Managementfehler und kräftige Verluste in die Schlagzeilen geraten war. Das „königliche“ Porzellan mit der blauen Zeptermarke zählt zu den traditionsreichsten Produkten aus Berlin. Besonders die bis Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen Prunkservice und Vasen lassen die Produkte der meisten anderen Manufakturen weit hinter sich. Bei extremer Verknappung des Angebots gehören sie inzwischen auch zu den international hoch bewerteten Sammelobjekten.

In diesem Jahr werden auf der Ars Nobilis einige besonders herausragende Stücke angeboten. Allen voran die 1,10 Meter hohe „Münchner Vase der Sorte Nr. 4“, die August von Kloeber mit tanzenden Genien und Hermann Looschen mit einem Palmettendekor bemalte. Acht Exemplare existieren in dieser Größe von der nach einem Nymphenburger Vorbild gestalteten „Münchner Vase“: allesamt königliche Aufträge, waren sie doch die größten und teuersten Stücke, die die KPM je hergestellt hat. Das erhaltene Exemplar lässt sich im Bestellungsbuch der Manufaktur ab Juli 1839 als Geschenk Friedrich Wilhelms III. nachweisen. Durch den Tod des Königs im Jahr darauf konnte sie nicht mehr an den – leider unbekannten – Empfänger ausgeliefert werden. Michael Nolte, der Spezialist für antike Uhren und Bronzen aus Münster, bewertet sein Messe-Prunkstück mit 145000 Euro.

Nolte hat ein weiteres königliches Präsent im Gepäck. Das Thurn-und-Taxis-Kästchen, eine 1790 in Hannover zusammengestellte Reisegarnitur mit 66 Silberteilen und zehn KPM-Tellern und Tassen, spendierten die königlichen Schwestern Friederike von Hannover und Luise von Preußen zur Geburt eines Neffen in Regensburg. Berliner Porzellane dieser Qualität blieben bis ins 19. Jahrhundert fürstlichen Besitzern vorbehalten. Die Bremer Galerie Neuse präsentiert zwei Vasenpaare mit Berliner und Potsdamer Ansichten, von denen das größere ebenfalls eine königliche Gabe gewesen ist. Friedrich Wilhelm IV. verschenkte die beiden Vasen der klassischen „Amphora“-Form mit den Ansichten der Schlösser Sanssouci, Charlottenburg, des Neuen Palais’ und des Berliner Schlosses um 1845 an den Großherzog Leopold von Baden. Das direkt aus der Familie der Markgrafen von Baden übernommene Paar wird für 220000 Euro angeboten, ein 1832 entstandenes Paar ohne entsprechende Provenienz kostet bei Neuse 110000 Euro.

Für den kleineren Geldbeutel offeriert Volker Wurster von der Galerie Neuse eine Reihe von Tellern des frühen 19. Jahrhunderts, die neben den üblichen Berliner und Potsdamer Ansichten Motive wie die seit 1815 preußische Porta Nigra in Trier schmücken. Trotz der gesicherten Qualität und Provenienz – Wurster hat sie vor wenigen Wochen auf der Welfen-Auktion erworben – sind sie für 10000bis 22000 Euro zu haben.

Das „absolute Highlight“ von Ulrich Gronert aus der Charlottenburger Giesebrechtstraße, der wie in jedem Jahr eine ganze Reihe von klassischen KPM-Porzellanen des 18. und 19. Jahrhunderts zeigen kann, ist diesmal ein Stück aus den späten 20er-Jahren: Der damals in Köln lehrende Maler Richard Seewald bemalte den Kakteenkasten nach einem Formentwurf von Ernst Böhm mit einem zeittypischen Harlekin-Motiv. Jahrzehntelang war Gronert auf der Suche nach einem solchen Stück, das er von einer KPM-Postkarte von 1928 kannte. In den USA trieb er die mit 22500 Euro bewertete Rarität schließlich auf.

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