• Das Wilhelm-Eck wird keine Senioren-Residenz - Investor verhandelt mit neuem Betreiber über neue Konzepte zum Innenausbau

Zeitung Heute : Das Wilhelm-Eck wird keine Senioren-Residenz - Investor verhandelt mit neuem Betreiber über neue Konzepte zum Innenausbau

Michael Brunner

Diese Kreuzung brummt. An der Wilhelmstraße Ecke Behrenstraße kommt täglich halb Berlin vorbei. Von der Straße des 17. Juni rollt eine Blechlawine am Brandenburger Tor vorbei hinter dem Hotel Adlon entlang durch die Behrenstraße in Richtung Komische Oper oder Friedrichstraße. Wenn die Ampel an der Wilhelmstraße Rot zeigt, ist Zeit für einen Blick durchs Autofenster. Zu sehen ist ein sechsstöckiger Rohbau, dessen Fassade bis zur Dachtraufe hinter einem Gerüst verschwindet. Doch das teure Baugerüst ist leer, Handwerker und Bauarbeiter sucht man vergeblich. Auch im Innern des Betonklotzes zwischen Britischer Botschaft und Rückseite des Hotels Adlon herrscht Totenstille.

Anwohner fragen sich, warum am Rohbau für die Senioren-Residenz "Wilhelm-Eck" seit Wochen nicht mehr gearbeitet wird. Sie haben beobachtet, dass ganze Lastwagenladungen mit Baumaterial abgefahren wurden. Sie befürchten nun, künftig mit direkter Aussicht auf eine Investitionsruine zu wohnen. Verständlich, denn auch gestern tat sich nicht viel auf der Baustelle. Zwei Arbeiter schippten Sand in den aufgerissenen Gehweg. "Wir arbeiten für die Bewag, damit es hier Strom gibt", sagten sie. Hinter den leeren Fensterhöhlen geschah nichts.

Der Bauherr will von einem Scheitern des Projekts nichts wissen. Dennoch muss die Berliner Diogenes Grundstücksgesellschaft zurückrudern, seit 1998 der Betreiber des Seniorenheims in Turbulenzen geriet. Die KBN Seniorenheim Beratungs- und Beteiligungs GmbH aus der Dr.-Hanne-Unternehmensgruppe steht zwar noch als Betreiber auf dem Bauschild. Nach den Worten von Diogenes-Geschäftsführer Siegbert Neumann ist der Fonds-Initiator Jürgen Hanne aber definitiv nicht mehr mit von der Partie. "Wir haben den Innenausbau gestoppt, weil es einen neuen Betreiber gibt. Und der braucht keine aufwendigen Hubbäder und riesigen Gemeinschaftsbereiche", sagt Siegbert Neumann und lässt die Katze aus dem Sack: "Das Wilhelm-Eck wird keine Senioren-Residenz." Der neue Partner, "ein sehr potenter Betreiber, der von der Stadt und der Wirtschaft sicher sofort akzeptiert wird", habe andere Pläne. Für die neue Nutzung müsse jetzt die Raumabstimmung geändert werden. Den Namen des Neuen will Siegbert Neumann nicht nennen, "da für die Dauer der Verhandlungen Vertraulichkeit vereinbart wurde". Neumann rechnet für den Beginn des Jahres 2000 mit einem erfolgreichen Abschluss der Gespräche. Dann könne der Innenausbau entsprechend der neuen Pläne fortgesetzt werden. Neumann befürchtet, dass "der neue Partner abspringt, wenn ich jetzt seinen Namen nenne". "Wir haben gar keinen vollständigen Baustopp", sagt Neumann und verweist auf Dacharbeiten und Fertigung der Fassadenteile in einem Werk. "Sämtliche Rechnungen für bisherige Arbeiten sind bezahlt", sagt der Diogenes-Chef, der im Gespräch sorglos erscheint. Ein Grund dafür könnten die zahlreichen abschlägig beschiedenen Anfragen von Konzernen sein, die das Wilhelm-Eck laut Neumann gern in ein Bürohaus verwandelt hätten. Fest stehe jedoch, dass es in den derzeitigen Verhandlungen um eine andere Nutzung in einem anderen Bereich gehe. Wird die Residenz zum Hotel? "Wir haben definitiv nichts damit zu tun, und wir hatten auch nie damit zu tun", ließ das angrenzende Hotel Adlon gestern mitteilen.

Was auch immer künftig in dem neuen Haus geschehen soll, es muss von der Senatsbauverwaltung genehmigt werden. Dort war gestern nichts von dem geplanten Kurswechsel bekannt. "Der Neubau ist als Senioren-Residenz genehmigt. Wenn das geändert werden soll, muss der Bauherr das genehmigen", sagte Sprecherin Dagmar Buchholz. Im November 1996 hatte Senatsbaudirektorin Barbara Jakubeit mit großem Brimborium den Wiener Architekt Gustv Peichl als Wettbewerbsgewinner präsentiert. Was Peichl entworfen hat, bleibt zunächst eine offene Frage.

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