Zeitung Heute : Das Wunder-Handy

Der Tagesspiegel

Von Kurt Sagatz, Hannover

Wenn es in diesem Jahr auf der CeBIT in Hannover so etwas wie einen heimlichen Star gegeben hat, dann war das i-mode. In Japan sind die Multimedia-Handys mit den großen, bunten Klapp-Displays absolut modern. Nun hat der Mobilfunkbetreiber E-Plus die Technik auch nach Deutschland geholt. Alles, was mit dem mobilen Internet und den drei Buchstaben WAP versprochen wurde und mit UMTS eingelöst werden soll, wird bereits heute mit i-mode wahr, sagt E–Plus-Content-Manager Ralf Kupferschmidt vollmundig. Dabei geht es nicht um reine Technik, denn natürlich hatte WAP schon einen Vorgeschmack darauf gegeben, wie die vielfältigen Inhalte aus dem World Wide Web auch per Handy abrufbar sein könnten. Bloß Spaß hat das nicht gemacht, denn auf viel zu kleinen Handy-Displays, zudem noch in Schwarz-weiß und mit umständlichen Menüführungen, kam bei weitem nicht das Vergüngen auf, für das man viel Geld zu zahlen bereit war. Und genau dies soll i-mode nun ändern.

Die i-mode-Technik stammt aus Japan von NTT Docomo. Über 30 Millionen Japaner nutzen das Multimedia-Netz, das nun von E-Plus an die hiesigen Gegebenheiten angepasst wurde. Derzeit läuft i-mode ausschließlich bei E-Plus, seit letztem Samstag vermarktet der Mobilfunkprovider den Dienst mit dem NEC n21i, dem neuen multimedialen Wunder-Handy. Wenn Kupferschmidt von dem Gerät redet, spricht er nur noch von „Handset“, schließlich soll bereits mit dem Namen ausgedrückt werden, dass hiermit ganz neue Funktionen genutzt werden können. Die Besucher des CeBIT-Messestandes von E-Plus haben das offenbar schnell verstanden, denn ans Ohr haben die wenigsten Besucher das Handset gehalten. So ist denn auch das große Klappdisplay das auffälligste Merkmal. Mit 120 mal 160 Bildpunkten ist der 256-Farben-Bildschirm doppelt so groß wie bei herkömmlichen Handys. Mit der integrierten Hintergrundbeleuchtung und der guten Entspiegelung ist das Handset damit auch bei Sonnenlicht im Freien zu nutzen.

Doch i-mode ist mehr als nur ein größeres Display. Erst im Zusammenspiel mit der GPRS-Übertragungstechnik kann der Multimedia-Standard seine Vorteile ausspielen. Zum einen ist der General Packet Radio Service, wie GPRS in der Langfassung heißt, mit 53,6 Kilobit pro Sekunde so schnell wie Internet über ein normales 56k-Modem und somit kaum langsamer als per ISDN. Zum anderen ist das Handy bei dieser Technik immer online, denn bei GPRS muss nicht extra eine Verbindung aufgebaut werden, um Informationen aus dem Netz zu ziehen. Gezahlt wird nicht mehr für die Online-Zeit, sondern für die übertragene Datenmenge. Da kann man getrost die zuletzt aufgerufene Seite auf dem Display lassen oder einfach noch einmal automatisch aus dem Zwischenspeicher laden, denn gezahlt wurde ja bereits.

„Always on“ heißt das im Experten-Englisch und bedeutet zugleich, dass mit i-mode eine ganz neue E-Mail-Kultur Einzug in die mobile Welt halten kann. Das NEC-Handset verfügt über ein eingebautes E–Mail-Programm und eine ganz normale E-Mail-Adresse, die nach dem Muster Vorname.Nachname@imail.de aufgebaut ist. Mit GPRS wird der i-mode-Nutzer automatisch und unverzüglich über jede neue E-Mail informiert und kann sie sofort aufrufen. Eine spezielle Einwahl ist nicht mehr notwendig. Zudem können Mails nun 1000 Zeichen lang sein und auch kleine gif-Bilder oder spezielle Musikdateien enthalten, denn das NEC wurde auch akustisch auf Multimedia getrimmt.

Entscheidend für den Erfolg von i-mode ist jedoch am Ende nicht die Technik, sondern der Inhalt. Hier erlaubt i-mode ganz neue Geschäftsmodelle, wie Kupferschmidt betont. Um i-mode nutzen zu können, wird ein entsprechendes Handset benötigt. Das NEC n21i – derzeit das einzig verfügbare i-mode-Handset, weitere sollen in Kürze folgen – kostet 249 Euro, die i-mode-Nutzung schlägt mit drei Euro monatlich zu Buche. Hinzu kommen dann noch Nutzungsgebühren: Je Kilobyte wird 1 Cent berechnet, in der Einführungsphase sogar nur 0,1 Cent. Ein Teil der derzeit über 70 Content-Angebote ist kostenlos, ein anderer Teil wie beispielsweise Spiegel Online wird per Monatsabo abgerechnet. Die Gebühren liegen zwischen 0,25 und zwei Euro. Weitere Kosten fallen unter anderem für E-Mails an, je Mitteilung wird ein fixer Betrag von 19 Cent zuzüglich der Transferkosten von einem Cent je Kilobyte verlangt.

Der Großteil der Abo-Gebühren geht indes an die Content-Anbieter, die sich so refinanzieren können. Die Aussicht auf Einnahmen ist offenbar ein schlagendes Argument. Vom Start weg dabei sind Anbieter wie FAZ.net, Spiegel Online, Süddeutsche und FTD, die Illustrierte Max oder kicker online. Attraktive Dienste steuern Comdirect, die Bahn, i-meteo oder Falk Online bei. Hinzu kommen Angebote wie die Amica SingleBox oder Services rund um die Mobiltelefonie von Jamba. Und für Unterhaltung sorgt unter anderem das Moorhuhn.

Mehr zum Thema:

www.eplus-imode.de

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