Zeitung Heute : Das ZDF-Magazin zeigte reale Hinrichtungsszenen als "Dokumentation"

Michael Burucker

Der Gag-Texter pausiert, Hauser schweigt, Kienzle guckt ernst. Die folgenden schrecklichen Bilder könne man dem Zuschauer eigentlich nicht zumuten, erklärt Kienzle wortreich und tut es dann doch. Zu interessant sei, was "Frontal"-Reporter über das Video, das man von der russischen Botschaft erhalten hat, herausgefunden hätten. Man sieht schauderhafte Szenen. Jemand schwingt eine Axt über einen am Boden Knienden, daraufhin sieht man seinen Schädel neben dem blutigen Torso liegen. Einem anderen, dessen Kopf ein Stiefel zu Boden drückt, wird die Kehle aufgeschlitzt. Eifrig versucht der Autor zu belegen, dass es sich bei den Tätern nicht, wie die Botschaft behauptet, um tschetschenische Rebellen handelt, sondern um versprengte "Kriminelle". Wären solche Gräuel dann erträglicher?, musste sich der Zuschauer fragen. Angesichts des grausamen Dokuments wirkt die routinierte Recherche wie eine ungeheure Verharmlosung. Als ob dies seinen Inhalt relativiere, erklärt etwa die Korrespondentin einer US-Zeitung achselzuckend, einen solchen Film könne man auf jedem Moskauer Flohmarkt kaufen. Herausgefunden also hat "Frontal", dass solche Aufnahmen zur Kriegspropaganda dienen. Für wahr keine neue Erkenntnis.

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