Zeitung Heute : Das ZDF prüft die PR-Vorwürfe weiter - Neue Berichte über Nebentätigkeit

Joachim Huber

Da lagen doch Welten dazwischen. Zwischen der Behauptung in der Donnerstagausgabe der "Welt", dass Alexander Niemetz nach einer "Ehrenerklärung" durch ZDF-Intendant Dieter Stolte das "heute journal" am Donnerstag wieder moderieren würde, und dem Moderator an jenem Abend: Helmut Reitze, stellvertretender Chefredakteur. Auch hatte sich Stolte gegenüber Niemetz nicht erklären wollen. Nach Angaben von ZDF-Sprecher Walter Kehr sind die "sorgfältigen und umfassenden" Prüfungen des Verdachts unzulässiger PR-Nebentätigkeiten von Moderator und Redakteur Alexander Niemetz (56) noch nicht abgeschlossen. ZDF-Intendant Dieter Stolte hatte am Freitag vergangener Woche entschieden, Niemetz solle die Moderation des "heute journals" solange ruhen lassen, wie der Verdacht, er habe sich ungenehmigt an der Vorbereitung einer PR-Kampagne für den Klinikkonzern "Asklepios" beteiligt, nicht überprüft sei.

Währenddessen hat Niemetz am Donnerstag eingeräumt, bei der Aufnahme eines für andere Fernsehsender bestimmten Interviews mit dem Wiesbadener Krebsspezialisten Karl Aigner zeitweilig dabei gewesen zu sein. Dies schreibt der Evangelische Pressedienst (epd). Nach einem Bericht von epd-Redakteur Volker Lilienthal sagte Niemetz ihm bei einem Treffen am Donnerstag, er sei im August 1999 bei dem Interview für wenige Minuten zugegen gewesen. Mit der Produktion habe er allerdings nichts zu tun.

Das Interview mit Aigner, das dem epd eigener Aussage nach in einer Kopie der Original-Kameracassette vorliegt, war von der Hamburger PR-Agentur Roba-Press veranlasst worden. Diese wollte das Thema der speziellen Krebstherapie Aigners verschiedenen Fernsehsendern zur Sendung anbieten. Aigner ist ein Chefarzt im Klinikkonzern "Asklepios" und mit Niemetz befreundet.

Zum Thema "Asklepios" hatte Niemetz Ende März ein Fax von Roba-Press erhalten, das irrtümlich publik wurde. Die Agentur fragte in dem an den TV-Moderator adressierten Fax nach seiner möglichen Mitwirkung als TV-Profi an einer PR-Kampagne für den Krankenhaus-Konzern. Für Niemetz als ZDF-Angestellten wäre eine solche Nebentätigkeit genehmigungspflichtig.

Wie epd weiter berichtet, ist am Ende der Kameracassette der ZDF-Journalist selbst im Gespräch mit Aigner zu sehen. Warum diese Aufnahme am Abend desselben Tages nach dem Roba-Interview gemacht wurde, wollte Niemetz nicht sagen. Er erinnere sich nicht mehr an das Gesprächsthema. Jedenfalls habe es nichts mit unerlaubter PR zu tun. Niemetz spricht auf dem Video von "Zweitverwertung" und nennt später die Sender-Namen "RTL (...)" und "TM3". Der ZDF-Journalist bestätigte, "TM3", den Namen eines privaten Fernsehsenders, erwähnt zu haben. Er könne sich nicht mehr daran erinnern, worum es dabei konkret gegangen sei.

Die Kassette könnte ZDF und Mitarbeiter wieder in die Klemme bringen - nachdem die Zeichen auf Entspannung standen. Niemetz musste wohl nur mit einem strengen Hinweis auf die Regeln für Nebentätigkeiten rechnen, auch deswegen, weil er seinem Arbeitgeber versichert haben soll, dass nichts mehr nachkommen werde. Jetzt liegt die Kassette auf dem Tisch. Das ZDF-Justiziariat wird um eine erneute Prüfung nicht umhin kommen. Der Imageschaden für den Sender wächst. Und Wolf von Lojewski moderiert für Alexander Niemetz.

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