Zeitung Heute : Das Zusammenspiel wirkt glaubhaft, die Besetzung stimmig

Uta-Maria Heim

Schwiegermutter ZDF. Anna, eine engagierte Literaturwissenschaftlerin in einem norddeutschen Universitätsstädtchen, klammert sich sehr stark an ihren 22-jährigen Sohn Juri. Er arbeitet beim Rettungsdienst und wartet auf sein Medizinstudium. Eines Tages bringt er die Punkerin Netti nach Hause. Dort bleibt sie, die Mutter ist verrückt vor Eifersucht und ehrlich erschüttert. Nach einem Eklat zieht Juri mit Netti in eine eigene Wohnung, sie heiraten heimlich. Plötzlich hat Netti einen Verkehrsunfall, der alles Bisherige in Frage stellt ...

Nach der Erzählung "Je suis, tu es, il est" der russischen Gegenwartsautorin Viktorija Torkajewa hat Laila Stieler das Drehbuch geschrieben. Die Adaption ist gelungen. Die äußerst geschickt, dabei ruhig erzählte Geschichte handelt nun in einem miefig-intellektuellen, kleinstädtischen Milieu, das mit seinem unendlichen Wiedererkennungswert für die gesamtdeutsche Provinz steht. Dennoch haftet den Figuren noch ein bisschen etwas Russisches an - sie sind prototypischer und zugleich schillernder als die bei uns derzeit gängigen Fernsehklischees. Christiane Hörbiger verleiht der etwas spröden "Schwiegermutter" erstaunlich viele Facetten. Das Zusammenspiel wirkt glaubhaft, die Besetzung stimmig. Mit Martin Glade als Juri und Camilla Renschke als Netti holt die Regisseurin Dagmar Hirtz ein erfrischend schräges Paar vor die Kamera von Judith Kaufmann.

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