DAS AUTO : Niemand und alle haben eins

Andreas Knie
Andreas Knie wechselt künftig problemlos zwischen Fahrrad, öffentlichem E-Mobil, Bussen und Bahnen.
Andreas Knie wechselt künftig problemlos zwischen Fahrrad, öffentlichem E-Mobil, Bussen und Bahnen.

Das Auto der Zukunft ist kein privates Gerät mehr, sondern stellt eine neue Vielfalt an Beweglichkeit dar. Während man früher mit dem Begriff „Auto“ ein technisches Ding, beispielsweise einen Opel Kadett, einen VW Passat oder gar einen Porsche 911er assoziierte, ist das Auto der Zukunft eine wahre Erlebniswelt, in der man sich einfach und ohne nachzudenken bewegt. Wie im Internet surft man einfach umher und nimmt sich immer das gerade passende. Keine Bindungen mehr an ein Gerät. Ob Fahrrad, Pedelec, U- oder S-Bahn, alles verwandelt sich zu einem Automobil. Einem Technikverbund, der Mobilität ermöglicht.

Das Smartphone ist der Schlüssel, der Infogeber und das Abrechnungsmedium zugleich. Man hält das kleine Ding einfach an das Fahrradschloss oder beim Betreten der U-Bahn oder des Busses an einen der vielen Touchpoints. Es macht nur kurz „Piep“ und schon öffnen sich Schlösser oder eine Fahrtberechtigung für die Bahnen und Busse erscheint auf dem Display. Das Verlassen der neuen Verkehrswelt funktioniert in gleicher Weise, einfach das Smartphone wieder vor Schlösser oder Touchpoints halten und man ist draußen. Man checkt einfach ein und ebenso einfach wieder aus.

Unter den nutzbaren Verkehrsmitteln sind auch die von früher gewohnten Kraftfahrzeuge. Diese sehen immer noch so aus, sie fahren allerdings in den Ballungsräumen ausschließlich mit Strom aus regenerativen Quellen. Der eigentliche Unterschied liegt in den Eigentumsverhältnissen: Diese Autos sind jetzt genauso öffentlich wie Busse und Bahnen; sie stehen im öffentlichen Raum und können von jedem der berechtigt ist, einfach genutzt werden. Eigentumsrechte an Autos braucht man in Städten nicht mehr.

Wer früher ein eigenes Auto besaß, hatte zwar die volle Verfügungsgewalt über sein Fahrzeug, doch stand dieses Gerät dann 90 Prozent seiner Zeit irgendwo nutzlos herum. In einer nachhaltigen und daher auch ressourceneffizienten Stadt ist eine solche Verschwendung undenkbar. Verkehrsmittel dienen dazu, Menschen von A nach B zu bringen, rund um die Uhr an jedem Tag, alles ist immer für alle zugänglich und wird daher effizient eingesetzt.

Die Welt ist damit viel bequemer geworden. Weil nichts mehr herumsteht, ist der Verkehrsfluss besser. Das Smartphone zeichnet die Bewegung auf und ermittelt am Monatsende den Preis. Gezahlt wird je nach Energieverbrauch. Busse und Bahnen sind daher sehr günstig, das Mietrad ist natürlich noch günstiger, weil es noch energieeffizienter ist. Die Batteriefahrzeuge dagegen sind vergleichsweise teurer. Wo sich gerade das passende Verkehrsmittel befindet und ob es dann auch „frei“ ist, erfährt man über das entsprechende „App“ im Smartphone.

Es ist nur schwer vorstellbar, wie man früher mit einem einzigen Fahrzeug zurechtkommen konnte. Ein einmal gekauftes Auto hatte man sozusagen „immer an der Backe“. Egal bei welchem Wetter, für welchen Zweck oder bei welcher Gelegenheit, man hatte immer nur das gleiche Fahrzeug zur Verfügung.

In der Zukunft erlebt das Auto seine wahre Bestimmung: Automobil im eigentlichen Wortsinne bedeutet „Selbstbeweglichkeit“. Mit privaten Fahrzeugen geht das nicht. Ein wahres Automobil verträgt keine exklusive Bindung an ein einziges technisches Gerät, ein wahres Automobil bedeutet die selbstbestimmte Nutzung aller Verkehrsmittel.

Der Autor ist Professor am Institut für Soziologie der TU Berlin und Geschäftsführer des Innovationszentrums für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel (InnoZ) GmbH.

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