DAS TV-DUELL IN EINER WASHINGTONER BAR : Freibier für den Sieger

Das Spiel geht so: Jeder Gast bekommt am Eingang einen grünen Zettel und einen Kugelschreiber. Auf dem Zettel steht oben links „Obama“ und oben rechts „Mitt“. Darunter stehen jeweils fünf Reihen mit Wörtern wie „Energy“, „America“, „Congress“, „Deficit“. Sobald Präsident oder Herausforderer eines der Wörter benutzen, muss der Gast es auskreuzen. Wer eine Reihe voll hat, ruft laut „Bingo!“ und erhält zur Belohnung ein Getränk seiner Wahl. Willkommen bei der „Presidential Debate Bingo Night“ im „Ventnor Sports Café“ in Washington D.C.!

Schon früh am Abend füllt sich der Kellerraum, an den Wänden hängen zehn TV-Bildschirme. Die Besucher sind zwischen 20 und 30, viele Frauen, mehrheitlich weiß, aber auch Schwarze und Latinos sind gekommen. Alex Aucoin ist 27 Jahre alt, er freut sich auf die Debatte. „Ich tendiere zu Obama und werde gut zuhören“, sagt er. Die meisten Gäste hier tendieren nicht nur zu Obama, sondern sind Fans des Präsidenten. Wie die 32-jährige Angie. Das Bingo-Spiel findet sie prima. „Das erhöht doch die Konzentration beim Zuhören – und wir alle haben Spaß.“

Das inhaltliche Interesse an den Redebeiträgen ist im „Ventnor Sports Café“ eher gering. Doch um Inhalte geht es bei diesen Debatten ja auch nicht. Sämtliche Abläufe sind eingeübt. Romney und Obama sagen auswendig gelernte Texte auf.

„Bingo!“ Zum Ende der Debatte hört im „Ventnor Sports Café“ kaum noch einer zu. Für Angie hat sich nichts geändert. „Ich wäre überrascht, wenn Romney aus dieser Debatte als Sieger herausgeht.“ Und Alex hat sich etwas gelangweilt. „Keine Höhepunkte.“ Scott Auslander, der Besitzer des „Ventnors“, hofft indes, dass der nächste Debattentermin nicht mit einem Baseball-Playoff-Spiel kollidiert. Die Entscheidung wäre wirklich hart.

Malte Lehming

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