Datenschutz : Falsche Nummer

In dem Skandal um eine CD mit Kontoverbindungen von 17.000 Verbrauchern hat die Polizei eine Firma in Viersen am Niederrhein durchsucht. Wie kann man sich gegen Datenklau schützen?

Corinna Visser

Der Skandal um die unerlaubte Weitergabe vertraulicher Kontodaten beschäftigt inzwischen mehrere Stafverfolgungsbehörden in Deutschland. Die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach hat ein Ermittlungsverfahren wegen Datenmissbrauchs und versuchten Betrugs gegen den Geschäftsführer einer Marketing- und Beratungsfirma aus Viersen am Niederrhein eingeleitet. Die Beamten hatten am Dienstagabend seine Räume durchsucht und Unterlagen sichergestellt.

Zuvor war der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein anonym eine CD mit den Datensätzen von mehr als 17 000 Bürgern zugespielt worden. Sie enthielt Namen, Adressen, Geburtstage und Kontonummern. Auf der CD waren auch die Daten von rund 600 Berlinern. Das Landesdatenschutzzentrum in Kiel erstattete daraufhin Strafanzeige gegen die Viersener Firma, die nach Angaben der Behörde diese Daten unter anderem an Callcenter weiterverkauft haben soll.

Thilo Weichert, Datenschutzbeauftragter von Schleswig-Holstein, sagte dem Tagesspiegel, inzwischen hätte sich der Mitarbeiter eines Lübecker Callcenters als Überbringer der CD zu erkennen gegeben. Die Lübecker Staatsanwaltschaft bestätigte, dass sie Hinweisen nachgeht.

Mithilfe der Daten auf der CD können Betrüger unberechtigt Geld von fremden Konten abbuchen. Ein Anruf beim Kontoinhaber ist dafür gar nicht nötig. Dennoch rufen die Callcenter bei ihren ahnungslosen Opfern an. Das habe zwei Gründe, sagt Datenschützer Weichert: Zum einen könnten sie sich die Richtigkeit der Daten bestätigen lassen. Zum Anderen könnten sie so immerhin einen Kontakt zu dem Betroffenen nachweisen, falls es im Nachhinein Streit über die Rechtmäßigkeit der Abbuchung gibt.

Viele Betroffene, die sich bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein über unberechtigte Lastschriften beschwerten, gaben an, dass sie vor längerer Zeit Lose der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) per Kontoabbuchung bezahlt haben. Die SKL prüft nach eigenen Angaben noch, ob die Daten aus ihren Beständen stammen können.

Eine Einzugsermächtigung muss in der Regel schriftlich erteilt werden (ausgenommen sind Einmalbeträge bis 50 Euro). Die Banken lassen sich die Ermächtigung aber nicht vor jeder Abbuchung vorlegen. Jährlich werden in Deutschland nach Angaben des Zentralen Kreditausschusses mehr als sieben Milliarden Zahlungen per Lastschrift abgewickelt. Dabei sei der Anteil der missbräuchlichen Einzüge äußerst gering. Kommt es dennoch vor, dann sollte der Kontoinhaber der Abbuchung innerhalb von sechs Wochen widersprechen. Die Bank bucht den Betrag dann formlos und unbürokratisch wieder zurück.

Verbraucherschützer raten dringend, regelmäßig die Kontoauszüge zu prüfen. Dass Banken grundsätzlich vor jeder Lastschrift die Ermächtigung erfragen müssen, fordern sie dagegen nicht. „Dann wäre das Instrument kaputt“, sagt Datenschützer Weichert. Banken sollten aber sehr wohl ihre Kunden warnen, falls sie verdächtige Abbuchungen entdeckten.

„Vor Schurken und Ganoven sind Sie nie gefeit“, sagt Peter Lischke, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Berlin. „Das Lastschriftverfahren ist nicht gefährlicher als andere auch.“ Neben der Kontrolle der Kontoauszüge könne man sich gegen Missbrauch am besten schützen, indem man sparsam mit seinen Daten umgeht und genau schaut, wem man sie überlässt. Im Fall eines Missbrauchs sollte man neben der Bank auch die Verbraucherzentrale und die Polizei informieren.

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