Zeitung Heute : Datenskandal bei der Bahn noch größer

Mitarbeiter wurden 2005 erneut überprüft

Carsten Brönstrup

Berlin - Die Deutsche Bahn hat in weitaus größerem Maß ihre Mitarbeiter überwacht als bislang bekannt. Nachdem sie bereits 2002/2003 die Adressen und Bankverbindungen von 173 000 Beschäftigten mit denen von Lieferanten abgeglichen hatte, überprüfte sie 2005 erneut die Belegschaft, wie das Unternehmen am Dienstagabend erklärte. Von dem Fall hatte der Vorstand am vergangenen Freitag dem Prüfungssausschuss des Aufsichtsrates berichtet, der in der Datenschutz-Affäre ermittelt. Nach Tagesspiegel-Informationen wurde auch Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) noch am Freitag unterrichtet.

Von der Aktion 2005 seien tendenziell noch mehr Beschäftigte als 2002/2003 betroffen gewesen, womöglich alle gut 220 000, erfuhr diese Zeitung aus Regierungskreisen. Dieses Mal sei es allerdings um eine „hausinterne“ Prüfung gegangen – im vorherigen Fall hatte die Bahn einen externen Dienstleister mit dem Datenabgleich beauftragt. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn selbst sei bei der Sitzung des Prüfungsausschusses am Freitag zunächst nicht zugegen gewesen. „Er musste erst herbeizitiert werden“, hieß es in den Kreisen weiter.

Das Staatsunternehmen erklärte, man habe in der Sitzung des Ausschusses mitgeteilt, „dass wir derzeit noch kein Ende der Ermittlungen absehen können und mögliche weitere Vorgänge nicht auszuschließen sind“. Man versuche, das Verfahren zu beschleunigen. „Dies ist keine Salamitaktik, sondern entspricht dem natürlichen Gang sehr schwieriger Ermittlungen“, sagte Mehdorn.

Der Bahn-Chef hatte zuvor gegenüber der Belegschaft Fehler eingeräumt. Man sei „übereifrig“ gewesen, es habe „eine falsch verstandene Gründlichkeit gegeben“, schrieb er in einem Brief, der dem Tagesspiegel vorliegt. In Zukunft solle es „verbindliche und transparente Regeln“ für derartige Aktionen geben. Verkehrsministerium und Gewerkschaften gaben sich mit dem Schreiben des Bahn-Chefs aber nicht zufrieden und forderten weiter gehende Schritte. Carsten Brönstrup

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