Zeitung Heute : Datenträger: Kombinieren - Antike Bilderrätsel

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An Inschriften mangelte es nicht. Im Gegenteil, die Tempel der alten Ägypter waren gewissermaßen ein überdimensioniertes Buch. Aber leider ging es dem Archäologen des frühen 19. Jahrhunderts wie einem Archivar von heute, der vor einem Haufen Floppy-Disks sitzt: Es fehlte der passende Schlüssel, die Daten zu entziffern.

Der unglückliche Archivar dürfte größte Schwierigkeiten haben, ein geeignetes Laufwerk zu finden. Der Archäologe von damals wusste nicht um die Bedeutung der Zeichen - bis der Stein von Rosette auftauchte. Ein Soldat aus Napoleons ägyptischem Expeditionskorps entdeckte ihn bei Schanzarbeiten in der verfallenen Festung de Rachid unweit des Nils: Einen schwarzen Basalt von der Größe einer Tischplatte, bedeckt mit einem Text in drei Schriften - in Hieroglyphen, auf demotisch und in griechisch. Hieroglyphen konnte keiner entziffern, demotisch ebenfalls nicht, aber griechisch.

Die Entzifferung schien nun kein Problem mehr, man brauchte ja nur mit dem Finger von einer Zeile zur nächsten fahren und die bekannten griechischen Buchstaben mit den ägyptischen Schriftzeichen abgleichen. Die Sache funktionierte trotzdem nicht, weil man annahm, dass die ägyptische Schriftbilder irgendeine symbolische Wortbedeutung haben müssten. Bis Jean-François Champollion kam. Er erkannte, dass eine Bildfolge besonders hervorgehoben war, der unbekannte ägyptische Schreiber hatte sie mit einem ovalen Ring eingekreist. Er schlussfolgerte weiter, dass diese Hervorhebung eine besondere Bewandtnis haben musste und vermutete den Königsnamen Ptolemäus, denn um den ging es im griechischen Vergleichstext. Als Champollion auch noch den Namensring für Cleopatra identifizierte und die Zeichen 2, 4 und 5 den Zeichen 4, 3, und 1 in Ptolemäus entsprachen, wusste er, dass es sich bei den Hieroglyphen ganz einfach um Buchstaben handelte.

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