Zeitung Heute : Dauerlauf mit kleinen Pausen

Matthias Platzeck nach seinem Hörsturz

Michael Mara[Potsdam]

Die Ungewissheit dauerte bis gestern Mittag. Erst gegen 12 Uhr 30 erreichte Brandenburgs Regierungssprecher Thomas Braune der dringend erwartete Anruf aus dem Ernst-von-Bergmann-Klinikum. Matthias Platzeck sagte, es gehe ihm zwar den Umständen entsprechend gut, aber die Ärzte hätten ihm geraten, vorerst in stationärer Behandlung zu bleiben. Die Sprachregelung der Staatskanzlei klingt kaum beruhigender: „Platzeck erfährt eine optimale Behandlung. Die Dauer des Aufenthalts richtet sich nach der weiteren Genesung.“

Am Mittwoch hatte Matthias Platzeck einen Hörsturz erlitten, und nun wird er mindestens noch für einige weitere Tage ausfallen. In der Staatskanzlei und im Willy-Brandt-Haus in Berlin haben sie jedenfalls erst einmal alle seine Termine bis Montag abgesagt. Finanzminister Steinbrück wird den SPD-Chef am Sonnabend auf dem NRW-Landesparteitag in Bochum vertreten. Und in Brandenburg wird VizeMinisterpräsident Schönbohm bis auf weiteres die Geschäfte führen.

Trotzdem. In der SPD sorgt sich so mancher um die Gesundheit des Vormannes. Erst im Februar hatte er wegen einer Grippe eine Woche pausieren müssen. In seinem Umfeld ist man sich einig, dass der Hörsturz mit den extremen Belastungen der letzten Wochen zu tun hat. Zig Wahlkampftermine und die regulären Aufgaben in Berlin und Potsdam – Vertraute sagen: „Es war wohl ein Tick zu viel.“

Eigentlich ist Matthias Platzeck ziemlich robust, ein Dauerläufer. Freunde staunen immer wieder, wie er sein extremes Arbeitspensum bewältigt. Von Manfred Stolpe, Brandenburgs einstigem Regierungschef, stammt der Satz, Platzeck arbeite und lebe mit „doppelten Umdrehungen“. Er stürme von Termin zu Termin, sei immer in Eile, auch wenn er nie einen gehetzten Eindruck mache. Platzeck ist einer, der seinen Arbeitstag nicht um zehn Uhr abends beenden kann, auch wenn er weiß, er muss sich ausruhen. Er ist Perfektionist, bei ihm geht es oft bis spät in die Nacht. Aber ab und an, das war schon früher so, fordert der Körper seinen Tribut, dann braucht Platzeck eine „Sabbat-Zeit“, wie Stolpe formuliert. In seiner Zeit als Oberbürgermeister von Potsdam erlitt er mal einen Kreislaufzusammenbruch, im Landtag musste er eines Tages einfach für zwei Stunden nach Haus ins Bett, um dann ausgeruht in die Sitzung zurückzukehren.

Eigentlich hatte Platzeck sich im letzten Herbst nach den Strapazen der vorangegangenen zwei Jahre – dem begonnenen Umbau Brandenburgs, dem Landtagswahlkampf 2004 und dem Bundestagswahlkampf 2005 – eine Kur gönnen wollen. Stattdessen übernahm er den Vorsitz der SPD. Kurz zuvor hatte er noch erzählt, dass er seit 1990 „echten Raubbau“ mit seinen Kräften betrieben habe und ihn mitunter schon die Sorge plage, dass „der Brunnen, aus dem man schöpft, plötzlich versiegt“. Platzeck sieht es durchaus als Schwäche an, „sich die Zeit nicht immer so einteilen zu können, dass die Kraft auch reicht“. Dennoch. Er ist der Typ, der nach einer Auszeit schnell wieder durchstartet – mit doppelten Umdrehungen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben