Zeitung Heute : DAVID NAGAR

aus Ganei Tikva, geboren am 7. März 1948 im Jemen

„Ich besitze ein Fachgeschäft für Lampen in Bnei Brak, einer Großstadt am nordöstlichen Rand von Tel Aviv. Hier in Bnei Brak leben fast nur ultraorthodoxe Juden. Die Arbeit ist nicht immer leicht, denn die Ultrareligiösen sind sehr eigenwillige Menschen. Sie wollen zum Beispiel nur in Läden einkaufen, die sich an die Ruhe am Sabbat halten und geschlossen haben. Meine Familie ist zwar gläubig, aber lange nicht so sehr wie die Orthodoxen. Ich wurde im Jemen geboren. Meine Mutter hat insgesamt elf Kinder. Verheiratet wurde sie, als sie erst zwölf Jahre alt war, nach jemenitischer Tradition. Als ich sechs Monate alt war, sind wir nach Israel eingewandert, das war im September 1948. Meine Eltern wollten im Land der Juden leben und es unterstützen. Israel brauchte damals schnell viele neue Einwohner, um größer zu werden und sich zu entwickeln. Wir sind in einen kleinen Ort in der Nähe von Tel Aviv gezogen, nach Ganei Tikva. Seitdem lebt meine Familie dort, auch meine Frau und ich und unsere vier Kinder. 1948 wohnten in Ganei Tikva nur ganz wenige Menschen, mittlerweile sind es 13 000. Wenn es nach mir ginge, sollten alle Juden aus der ganzen Welt nach Israel kommen und mithelfen, das Land weiter aufzubauen und zu verbessern. Ich bin sehr stolz darauf, Zionist zu sein, denn ich liebe Israel und habe es in zwei Kriegen mit meinem Leben verteidigt: 1967 im Sechstagekrieg und 1973 im Jom-Kippur-Krieg. Trotz aller Konflikte glaube ich als Optimist fest daran, dass Israel irgendwann seinen Frieden finden wird.

Ich denke, dass jeder Mensch hier in diesem Land mit seiner Religion und seinen eigenen Vorstellungen glücklich werden kann, frei nach dem Prinzip: leben und leben lassen. Ich hoffe sehr, dass wir eines Tages auch Frieden mit den Palästinensern schließen können. Aber im Moment sehe ich keine Möglichkeit, dafür sind die Palästinenser uns gegenüber einfach zu feindselig. Ich wünsche mir eine erfolgreiche und frohe Zukunft für Israel. Doch selbst wenn einmal schlechte Jahre kommen sollten: Meine Familie und ich bleiben auf jeden Fall hier. Ich warte auf den Tag, an dem meine Heimat und ich 100 Jahre alt sein werden – und ich hoffe, dass es ein glücklicher Geburtstag für uns beide wird.“

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