Zeitung Heute : DDR-Lexikon von DirectMedia: Sachinformationen gegen platte Ostalgie

Gerald Glaubitz

Trotz der Tonnen Papier, die in den letzten Jahren über den SED-Staat publiziert wurden, fehlte bisher ein entsprechendes digitales Nachschlagewerk über politische, wirtschaftliche, juristische und kulturelle Zusammenhänge des DDR-Systems. Diese Lücke wird nun mit dem 32. Band der digitalen Bibliothek vom Berliner Directmedia- Verlag geschlossen.

Die CD-Rom "Enzyklopädie der DDR" vereinigt dabei drei lexikalische Standardwerke zum untergegangenen ostdeutschen Staat aus dem Print-Bereich: "So funktionierte die DDR" von Rowohlt, das "DDR-Handbuch" des ehemaligen Bundesministeriums für innerdeutsche Beziehungen und last but not least das umfangreiche Personenlexikon "Biographisches Handbuch der SBZ/DDR 1945-1990".

Der Nutzer erhält fundierte Text-Informationen über Staats- und Parteiorgane, Behörden, kulturelle Einrichtungen oder auch Personen - sowohl offizielle Funktionsträger wie Erich Mielke als auch Vertreter der kirchlichen und politischen Oppositionsbewegung wie beispielsweise Bärbel Bohley. Neben dem lobenswerten lexikalischen Gehalt bietet die Scheibe nützliche Arbeitsinstrumente wie Suchwerkzeuge, Markierungs- und Notizfunktionen, Lesezeichen, Druck- und Export-Möglichkeiten.

Wer freilich Multi- oder Hypermedia-Edutainment sucht, der liegt bei der vorwiegend aus Texten bestehenden CD-Rom falsch. Wem es jedoch eher um ein seriöses Nachschlagewerk ohne interaktive Schnörkel geht, der kommt auf seine Kosten. Nicht zuletzt, weil sie einer um sich greifenden ostalgischen Verklärung ausgewogene Sachinformationen entgegensetzt - und dies auf sehr handliche und Platz sparende Weise. Der Preis der CD-Rom von 99 DM ist angemessen.

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