Zeitung Heute : Dehnen, strecken, schütteln

Übungen gegen Rückenprobleme am Arbeitsplatz

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„Nehmen Sie die Treppe, nicht den Aufzug!“ ist nicht der schlechteste Rat für all diejenigen, die unter Rückenschmerzen leiden. Und das sind in den Büros und Verwaltungen viele: Fast jede dritte Krankmeldung hierzulande geht auf das Konto des MuskelSkelett-Systems. Aber auch, wer nicht gleich von einem Hexenschuss oder einem Bandscheibenvorfall erwischt wird, weiß: Wenn sich der eine oder andere der insgesamt 24 Wirbel verrenkt und sich die Muskulatur verspannt, lassen die Schmerzen kaum noch einen klaren Gedanken zu.

Jeder dritte der hierzulande rund 17 Millionen Büroarbeiter muss seinen Job an einem mangelhaften Arbeitsplatz verrichten. Vor allem das Mobiliar lässt zu wünschen übrig: Ergonomische Bürodrehstühle, die die Wirbelsäule entlasten und neben der Gesundheit auch noch den Aspekt der Arbeitssicherheit berücksichtigen, sind noch längst nicht in jedem Betrieb und in jeder Verwaltung eine Selbstverständlichkeit.

Doch selbst wer das Glück hat, seinen Arbeitstag auf einem nach allen Regeln der Medizin und der Arbeitswissenschaft entwickelten Sitzmöbel verbringen zu dürfen, sollte es sich dort nicht pausenlos bequem machen. Bewegung tut not – und als Hilfsmittel eignet sich sogar all das besonders, was der typische Büroarbeiter üblicherweise ohnehin zur Verfügung hat: Stuhl, PC mit Internet-Anschluss und eigener Körper – und schon kann’s losgehen mit dem Strecken, Dehnen und Beugen, dem Schütteln der Arme und Beine, dem Greifen der Finger.

Nach dem Motto „Kräftigen statt schonen“ bieten etwa die Betriebskrankenkassen unter www.bkk.de (Stichwort Bildschirmschoner) oder die R+V-Versicherungen unter www.ruv.de (Stichwort Fit für den ganzen Tag) Übungen an, die die Muskeln lockern und wieder mit ein bisschen mehr Sauerstoff versorgen. Außerdem erinnern die mitunter richtig witzigen Illustrationen daran, dass die elterliche Aufforderung „Sitz gerade“ ein wirklich gut gemeinter Rat war.

Die Bestimmungen der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) oder der Bildschirmarbeitsverordnung (BildscharbV) allein können nicht verhindern, dass der volkswirtschaftliche Schaden durch Krankheiten am Muskel-Skelett-System der Arbeitnehmer jährlich mehr als 19 Milliarden Euro beträgt. Wer aber wenigstens die Treppe statt des Fahrstuhls benutzt, tut seinem Rücken auf jeden Fall etwas Gutes. rch

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