Zeitung Heute : Dem Bestseller auf der Spur

Regina Köthe

Christoph Peters tut es, Florian Illies tut es, und auch Irene Dische. Für Autoren war es bis vor wenigen Jahren in Deutschland noch unüblich, mit einem Manuskript nicht direkt zu einem Verlag zu gehen, sondern den Weg über einen Agenten zu wählen. Der Verleger galt als konstante Größe und Ansprechpartner für den Autor. Das hat sich geändert. Die Verlagslandschaft ist unüberschaubarer geworden, die Programme der Verlage wechseln schneller. Für Autoren wird die Orientierung schwieriger. Die "Verschlankung" der Lektorate durch Outsourcing bedeutet, dass die Verlage stärker mit externen Vermittlern kooperieren.

Das sind die Literaturagenten und die gehören zur Spezies der Viel- und Schnellleser. Sie lesen Bücher, Manuskripte, Rezensionen und Proposals. Wenn sie nicht lesen, dann telefonieren sie: Ihre bevorzugten Gesprächspartner sind Lektoren, Verleger, Kritiker und Autoren. Sie können Exposés und Manuskripte beurteilen und konkret deren Schwächen und Stärken benennen. Für "ihre" Autoren verhandeln sie zäh und konsequent. Das ist ihr "Business": Sie vermitteln das Manuskript eines Autors an einen Verlag oder vertreten als so genannte Subagenturen die Programme und Titel ausländischer Verlage und verkaufen Lizenzen.

Mohrbooks aus Zürich ist zum Beispiel eine der größten und bekanntesten klassischen Agenturen, die vor allem angloamerikanische Verlage im deutschen Sprachraum vertritt. Im April 2000 haben sie eine Dependance in Berlin eröffnet, die von Uwe Heldt geleitet wird. Er befasst sich jedoch nicht wie seine Kollegen in Zürich mit dem Import von Lizenzen, sondern sucht für deutschsprachige Autoren und deren Manuskripte nach passenden Verlagen. "Ich konzentriere mich im Wesentlichen auf die Betreuung und Vermittlung der Autoren. Für die Abwicklung der Verträge sowie die Honorarabrechung sind die Mitarbeiter in Zürich zuständig", erzählt er. Zu seinen Autoren gehört in diesem Herbst unter anderen Susanne Riedel mit ihrem Roman "Die Endlichkeit des Lichts".

Der 53-Jährige ist ein bekannter Mann in der Branche. Seit den achtziger Jahren war er als Lektor für deutschsprachige Literatur bei Klett-Cotta und im Piper Verlag tätig und zuletzt Cheflektor der Verlage Ullstein / Propyläen. Agenten sind einerseits bei Verlagen nicht besonders beliebt, weil sie den Markt und die Preise genau kennen. Das macht sie zu harten und kompetenten Verhandlungspartnern. Zum anderen schätzen Verleger und Lektoren die Professionalität seriöser Agenten. "Wenn wir einem Verlag etwas anbieten, dann wissen sie, dass das Manuskript oder Exposé bereits ein rigides Auswahlverfahren durchlaufen hat", sagt Petra Eggers von der Agentur Eggers & Landwehr.

Ebenso wie Uwe Heldt verfügt Petra Eggers über langjährige Erfahrungen im Verlagswesen. Sie hat bei Suhrkamp und S. Fischer gearbeitet, bevor sie gemeinsam mit Matthias Landwehr die Agentur Eggers & Landwehr gründete, die ihren Hauptsitz in Berlin hat und ein weiteres Büro in New York führt. "Die Arbeit hat sich in den letzten Jahren verändert", erzählt Petra Eggers, "heute betreuen wir oft nicht nur den Autorenvertrag, sondern unterstützen auch die Öffentlichkeitsarbeit und des Marketing." Zu den betreuten Autoren zählen Wladimir Kaminer, Angelika Klüssendorf und Tom Lampert mit ihren Neuerscheinungen.

Neben Branchenerfahrung müssen Literaturagenten eine gehörige Portion Sensibilität und Verhandlungsgeschick mitbringen. Denn sowohl die Erwartungen der Autoren wie der Verlage müssen erfüllt werden. Ein hohes Autorenhonorar etwa sei nur ein Kriterium für eine erfolgreiche Vermittlung, betont Petra Eggers. Ebenso entscheidend sind eine gute Platzierung des Titels im Programm, die Werbemaßnahmen und last not least der zwischenmenschliche Kontakt. "Das ist enorm wichtig, denn der Autor muss sich mit dem Verleger und dem Lektor wohl fühlen." Und der Verlag erwartet, dass die versprochene Qualität und Verkäuflichkeit das Buch zu einem Bestseller macht.

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