Zeitung Heute : Dem „Museum der Dinge“ droht die Obdachlosigkeit

Der Tagesspiegel

Das „Museum der Dinge“ im Martin-Gropius-Bau bereitet zurzeit eine Ausstellung vor mit dem Arbeitstitel „Wegsehen ist keine Antwort – Die Erfahrung der Nähe in den Dingen des Alltages“. Eine Erfahrung mit den Dingen des Alltages muss das Museum jetzt selbst machen: Die Betreibergesellschaft unter Federführung des Bundes hat dem früheren Werkbund-Archiv zum 31. Dezember 2002 gekündigt. Man ist zwar auf der Suche nach Alternativ-Standorten, die Kündigung aber stellt auch die Landesförderung in Frage: 2001 erhielt das Museum 559 500 Mark aus dem Kulturetat. „Das ist für uns eine katastrophale Lage, die mit Schließung gleichzusetzen ist“, sagt Museumsdirektorin Anna Maigler.

Wie berichtet, will Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) 2002 und 2003 im Kulturetat 41 Millionen Euro einsparen. PDS-Kultursenator Thomas Flierl kündigte inzwischen an, es werde nicht nach der „Rasenmäher-Methode“ gespart, doch befürchtet das kleine Museum, zu den ersten „Sparopfern“ zu gehören.

Petra Walz, Sprecherin der Kulturverwaltung, sagte auf Anfrage, dass die Kündigung des „Museums der Dinge“ durch den Bund erfolgte, der das Gebäude im Januar 2001 übernommen habe. „Mit Übernahme der Liegenschaft hat der Bund darauf hingewiesen, dass die bisherigen Mieter ausziehen müssen“, bestätigte ein Sprecher des Bundeskulturministers Julian Nida-Rümelin. Die Suche nach einem neuen Standort sei jedoch Berliner Angelegenheit. Der Gropius-Bau soll in Zukunft der Festspiele-GmbH unterstellt werden, deren Träger seit Januar 2001 der Bund ist.

Die Berliner Senatskulturverwaltung sehe bei der Suche nach einem neuen Standort „hohe Priorität“, sagt Walz. Sie sei dem privaten Trägerverein bei der Suche gern behilflich, es gebe auch schon Gespräche. „Die Initiative aber muss vom Verein kommen. Es ist ja keine Landesinstitution.“ Auch eine Fortführung der institutionellen Förderung des Museums sei mit dieser Standortfrage verknüpft. „Bevor nicht klar ist, an welchem Standort das Museum in Zukunft untergebracht werde, kann man auch nicht über finanzielle Zuwendungen sprechen.“ Deshalb laufe die Förderung mit Aufgabe des bisherigen Standorts Ende Dezember 2002 aus.

Als neuer Standort im Gespräch ist in Kulturkreisen die Kulturbrauerei, für die allerdings Miete gezahlt werden müsste. Bisher hatte das „Museum der Dinge“ die Räume im Martin-Gropius-Bau mietzinsfrei zur Verfügung gestellt bekommen. Von der Förderung, einer Viertelmillion Euro, werden sieben Arbeitsplätze finanziert. Weitere Einnahmen erhält das Museum über Mitgliedsbeiträge.

Um die Zukunft des Museums zu sichern, wird auch über eine Fusion mit anderen Kultureinrichtungen wie zum Beispiel dem Stadtmuseum nachgedacht. Direktorin Maigler sagte, dass das Museum nur „plangerichtet“ umziehen könne. „Eine Verlagerung auf verschiedene Standorte wäre unmöglich.“

Das „Museum der Dinge“ geht aus dem Werkbund-Archiv hervor. 1907 wurde der Werkbund gegründet, der als Werkbund-Archiv e. V. 1973 neu entstand und 1999 in das heutige Museum umbenannt wurde. 1986 zog das Archiv gemeinsam mit der Berlinischen Galerie in den Martin-Gropius-Bau. Während der Sanierung des Baus kurzzeitig in die Schultheiss-Brauerei ausgelagert, ist das Museum seit 1999 wieder im Gropius-Bau.

Es erforscht die Geschichte des 1907 gegründeten Deutschen Werkbundes sowie in letzter Zeit verstärkt die Alltagskultur des 20. Jahrhunderts. Darüber hinaus verfügt es über eine 15 000 Bände umfassende Präsenzbibliothek und ein umfangreiches Konvolut von Fotomontagen John Heartfields. Sabine Beikler/Christina Tilmann

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben