Zeitung Heute : Dem Prinzen sei Dank

Theater, Film und Puppenspiel: Das Team der „Drehbühne Berlin“ feiert mit einem innovativen Konzept Erfolge – im April auch im Admiralspalast

Katja Gartz

Mit dem kleinen Prinzen fing alles an. Vor fünf Jahren konzipierten Nanda Ben Chaabane und Lorenz Christian Köhler, die beiden führenden Köpfe der Drehbühne Berlin, eine Bühnenfassung des Klassikers von Antoine de Saint-Exupéry. Auf diese Idee waren vor ihnen schon andere Theatermacher gekommen. Aber das Team der Drehbühne entwickelte ein neues Konzept, das seitdem bei allen Produktionen zum Einsatz kommt: ein Ineinandergreifen von Schauspiel auf der Bühne, Filmen auf einer Leinwand und Puppenspiel. So begegnet der kleine Prinz, gespielt von Nanda Ben Chaabane, dem in der Wüste abgestürzten Fliegerpiloten, gespielt von Lorenz Christian Köhler, auf der Bühne. Schlangen und Ratten sind Puppen, und die Planetenbewohner – darunter Bruno Ganz als Geograph – spielen ihre Rolle in kurzen Filmen. Nach der Premiere in der Villa Elisabeth lief „Der kleine Prinz“ im Tränenpalast, nach dessen Schließung im Admiralspalast und auf einer Tour in zahlreichen anderen Städten Deutschlands und der Schweiz. Die erfolgreiche Produktion der Drehbühne sahen bereits mehr als 30 000 Kinder und Erwachsene – ein sensationeller Erfolg für so ein kleines Team. Verbunden mit der Inszenierung ist ein Benefizgedanke: Zwei Euro jeder Eintrittskarte kommen einem Wassergewinngsprojekt von Unicef im Sudan zugute. So wurden bereits über 50 000 Euro überwiesen.

Köhler, der an der Schauspielschule Ernst Busch seine Ausbildung abschloss, hatte den „Prinzen“ schon im Kopf, als er noch unter der Regie von Peter Stein in Faust eins und zwei auf der Bühne stand. Sein erstes Engagement bekam er durch einen Zufall, weil ein anderer Schauspieler ausfiel. „Das war eine riesige Chance“, sagt der 36-Jährige.

Stein hat ihn geprägt. „Er ist seinen Ideen treu geblieben und hat so lange dafür gearbeitet, bis er sie umsetzen konnte“, sagt Köhler. Zum Ensemble eines Stadttheaters zu gehören, hat ihn nie gereizt, er wollte seine eigenen Projekte realisieren. Nanda Ben Chaabane, die deutsche Schauspielerin mit arabischen Wurzeln, studierte Schauspiel in London und besuchte Workshops des New Yorker Actor Studios. Als sie für Lesungen in Altenheimen Schauspieler suchte, die sie unter dem Veranstaltungsnamen „Der kleine Prinz“ organisierte, lernte sie Lorenz Christian Köhler kennen. Die heute 32-Jährige war diejenige, die sagte: „Jetzt bringen wir den Prinzen auf die Bühne.“ Damit riefen beide zusammen die Theater- und Filmproduktion Drehbühne ins Leben.

Zwei Jahre später zeigten sie ihre Inszenierung „Krokodil im Nacken“ im ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis, der heutigen Gedenkstätte in Hohenschönhausen. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman von Klaus Kordon. Ort des Geschehens ist ebenso das Stasi-Gefängnis, die Zelle von Manfred Lenz, der mit seiner Familie bei der Republikflucht gestellt und inhaftiert wurde.

Ihr jüngstes Werk heißt „Verrückte Zeiten. Eine Hommage an Charlie Chaplin“, eine Koproduktion mit dem Admiralspalast. Ihre Projekte entwickeln Nanda Ben Chaabane und Lorenz Christian Köhler parallel zu den laufenden Produktionen. „Ideen gibt es viele, doch wir machen lieber seltener ein Stück, aber dann richtig“, sagt Köhler. Beide legen Wert darauf, „keine Luftschlösser zu bauen“, sondern ihre Projekte so zu realisieren, dass sie ein Publikum erreichen und sie auch davon leben können. Inhaltlich ist ihnen eine Mischung von Stoffen wichtig, um einerseits viele Zuschauer zu haben und andererseits gesellschaftspolitische Themen auf die Bühne zu bringen. „Diese lassen sich meist nur mit öffentlicher Förderung umsetzen, weil damit kein Geld zu verdienen ist“, berichtet Köhler, der nebenbei mit seiner Partnerin Drehbücher für Spielfilme schreibt.

Ein Projekt, zu dem derzeit noch die Förderung fehlt, heißt „Mauerland“. Dabei geht es um zwei Königskinder, die nicht zusammenkommen dürfen und durch eine Mauer voneinander getrennt werden. Dabei verläuft die Mauer auch mitten durch das Publikum, selbst die Musiker werden auseinander gebracht.

Auch wenn die Macher der Drehbühne merken, dass es seit Herbst vorigen Jahres schwieriger geworden ist, private Sponsoren für Kulturprojekte zu gewinnen – sie bleiben zuversichtlich. „Es ist doch toll, dass wir unsere eigenen Projekte machen können und damit erfolgreich sind“, sagt Nanda Ben Chaabane. „Von der momentanen Krisenstimmung lassen wir uns ganz bestimmt nicht entmutigen.“ Seit knapp einem Jahr haben die beiden übrigens ihren eigenen kleinen Prinzen. Der wartet in der Garderobe, während seine Mutter als Prinz auf der Bühne steht.

Die Drehbühne Berlin ist mit ihrem Stück „Der kleine Prinz“ vom 7. bis 12 April in der Studiobühne des Admiralspalasts zu sehen. Die Karten kosten zwischen 18 und 25 Euro. Die CD mit der Hörspielversion ist im Karl Rauch Verlag erschienen und kostet 14, 95 Euro. Mehr Infos im Internet unter www.drehbuehne-berlin.de.

Es ist doch toll, dass wir unsere eigenen Projekte machen können und damit erfolgreich sind. Zwar ist es seit Herbst vorigen Jahres schwieriger geworden, private Sponsoren für Kulturprojekte zu gewinnen – aber wir bleiben zuversichtlich. Von der momentanen Krisenstimmung lassen wir uns ganz bestimmt nicht entmutigen.“

Nanda Ben Chaabane, Gründungsmitglied der Drehbühne Berlin

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