Zeitung Heute : Dem Rotstift der Bundesregierung fallen bei dem Auslandssender Jobs und Programme zum Opfer

Reinhart Bünger

Die Deutsche Welle (DW), der Auslandsrundfunksender der Bundesrepublik, will infolge der Etatplanungen der Bundesregierung bis 2003 rund 600 Stellen streichen. Dies erklärte der Intendant des Senders, Dieter Weirich, am Mittwochabend in Berlin nach entsprechenden Beschlüssen des DW-Rundfunk- und Verwaltungsrates. 79 Festangestellten, 232 festen freien Mitarbeitern und 58 Mitarbeitern mit befristeten Arbeitsverträgen soll den Plänen zufolge gekündigt werden. 200 Mitarbeiter sollen bis 2003 in den Vorruhestand geschickt werden. Die Bundesregierung hatte im Rahmen der Sparpolitik den Sender-Etat für das Jahr 2000 um 54 Millionen Mark gekürzt.

Der Personalrat des Senders will nun für eine sozialverträgliche Lösung kämpfen. In Verhandlungen, die am Montag in Köln und Berlin beginnen, soll ein entsprechender Sozialplan vorgelegt werden, sagte Bernd Wegmeyer vom Gesamtpersonalrat am Donnerstag in Köln. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte den massiven Personalabbau bei der Deutschen Welle in scharfer Form. Die DW-Gremien seien dem Vorschlag des Intendanten "ohne genaue Kenntnis der Sachlage" gefolgt und hätten dabei keine Alternativ-Vorschläge geprüft, meinte der DJV-Gesamtvorstand am Donnerstag in Bonn. Von den etwa 1700 festen Mitarbeitern des Senders mit Sitzen in Köln und Berlin sind 1400 in Köln beschäftigt. Nach Angaben Wegmeyers sind bei den Festangestellten fast nur Kölner Mitarbeiter betroffen, bei den festen Freien vor allem Mitarbeiter des Fernsehbereichs in Berlin.

Die Deutsche Welle wurde 1953 gegründet. Im Radio verbreitet der Sender Programme in Deutsch und zurzeit 34 Fremdsprachen. Ein halbes Dutzend Fremdsprachenprogramme im Hörfunk sollen nun geschlossen werden, darunter das japanische, das tschechische, das slowakische Programm und das Programm für Lateinamerika.

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