Zeitung Heute : Demokratisches Korps

Matthias B. Krause

US-Präsident George W. Bush will ein Spezialkorps zur Unterstützung junger Demokratien aufbauen. Wie kam es dazu und was kann eine solche Einheit leisten?

Der Washington-Korrespondent der „Los Angeles Times“ wertete den Auftritt von George W. Bush beißend als „einen seltenen Moment von Selbstkritik“. In einer Rede vor dem International Republican Institute bekannte der US-Präsident, dass die Schaffung von Frieden und Stabilität im Irak länger dauere und schwieriger sei, als sich das das Weiße Hause vorgestellt habe – zumindest indirekt. „Eine der Lektionen, die wir im Irak gelernt haben, ist, dass wir zwar unser Militär schnell überall in der Welt einsetzen können, doch das gilt nicht für die Regierungsangestellten", sagte er. Der Aufbau der US-Übergangsregierung in Bagdad sei langwierig und schwierig gewesen. Um das künftig zu vermeiden, will Bush einen Spezialkorps schaffen, der die Entwicklung junger Demokratien in der Welt unterstützt.

„Dieses neue Korps wird abrufbereit stehen, um Programme vor Ort binnen Tagen und Wochen in Gang zu bringen, anstatt von Monaten und Jahren“, sagte Bush. Die Diplomaten und Regierungsbeamte werden zu einem Büro für Wiederaufbau und Stabilisierung gehören, dass der US-Präsident noch in diesem Jahr schaffen will. Dazu stehen im aktuellen Haushalt 24 Millionen Dollar bereit, im nächsten Jahr ist ein Budget von 100 Millionen Dollar eingeplant. Wer genau dem Spezialkorps angehören wird, ist bislang nicht bekannt.

Die Schwierigkeiten beim Aufbau einer unabhängigen Regierung im Irak verglich der US-Präsident mit dem holperigen Start Amerikas nach seiner Unabhängigkeitserklärung: „Keine Nation hat in der Vergangenheit den Übergang von einer Diktatur in eine freie Gesellschaft ohne Fehlstarts und Rückschläge geschafft.“ Entscheidend für den Erfolg sei der schnelle Aufbau von Institutionen.

Während Bush vor dem Institut redete, das ihm einen Friedenspreis für die Befreiung von Millionen von Menschen nach dem 11. September 2001 verliehen hatte, nahmen US-Generäle angesichts der Unruhen im Irak ihre optimistische Prognose zurück, ein Großteil der 138 000 Soldaten könne wahrscheinlich 2006 zurückkehren. Stattdessen schätzen sie jetzt, dass ihr Einsatz „viele Jahre“ dauern werde.

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