Zeitung Heute : Den Athleten das Wasser reichen

Berliner Forscher entwerfen Filtersysteme für einen künstlichen See in Peking

Fred Winter

Die TU Berlin blickt schon über die Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr hinaus: 2008 werden in Peking die Olympischen Spiele stattfinden. Dort erwarten die Organisatoren Millionen von Zuschauern aus dem In- und Ausland. Das Fest steht unter dem Motto: „Grüne Spiele — Nachhaltige Entwicklung“. Schon jetzt laufen die Vorbereitungen im Reich der Mitte auf Hochtouren.

Wissenschaftler der TU Berlin greifen ihren chinesischen Kollegen beispielsweise unter die Arme, um die Wasserversorgung der chinesischen Hauptstadt zu modernisieren. Bislang wachsen die Umweltprobleme mit jedem Tag, denn die Metropole saugt die Wassereservoire aus wie ein Schwamm. Sinkende Grundwasserpegel sind die Folge. Zudem verschlechtert sich die Qualität des Wassers, fehlt sauberes Trinkwasser vor allem für die ärmeren Vororte und Stadtbezirke. Der geplante olympische Park soll ein modernes Wassermanagement erhalten, damit die Sportler und Gäste nicht plötzlich auf dem Trockenen sitzen.

Seit Dezember 2004 beschäftigen sich die Experten aus dem TU-Forschungsschwerpunkt „Wasser in Ballungsräumen“ mit dem Thema: Mit solchen Problemen haben viele Megastädte zu kämpfen. Sie entwickeln beispielsweise neue Techniken, um das Abwasser in dicht besiedelten Ballungszentren zu reinigen und möglichst effektiv wiederzuverwenden. Wissenschaftler des TU-Forschungsgebiets Wasserreinhaltung arbeiten schon seit 1995 mit chinesischen Kollegen daran, solche Lösungen in den schnell wachsenden Metropolen Chinas umzusetzen. Diese Projekte werden vom Bundesforschungsministerium (BMBF) gefördert. Die jüngste Kooperation zum olympischen Park wird vom BMBF und dem chinesischen Zentralministerium für Wissenschaft gemeinsam finanziert.

Der Olympiapark in Peking ist auf insgesamt 550 Hektar konzipiert. Ein rund sechzig Hektar großer, künstlicher See soll den notwendigen Wasservorrat für die Sportler, Zuschauer und Gäste bereit stellen. Die zentrale Aufgabe der Wasserspezialisten ist es, die hygienische Qualität des Wassers zu gewährleisten, Geruchsprobleme und Verschmutzung etwa durch Algen zu vermeiden.

Weiterhin werden Konzepte benötigt, um die unzähligen Springbrunnen, Toiletten, Waschanlagen und Bewässerungsanlagen mit Brauchwasser zu versorgen. Um dafür das Schmutzwasser aufzubereiten, sollen am Ufer des Sees naturnahe Filtrationssysteme und neuartige Membrantechnologien zum Einsatz kommen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Entwicklung eines effizienten Managements für das Regenwasser und den Schutz des Parks vor Überschwemmungen. In die Gebäude des olympischen Dorfes sollen besonders wassersparende Techniken eingebaut werden. Die gesamte Wasserversorgung soll schließlich über ein zentrales Überwachungssystem gesteuert werden.

Um all diese Aufgaben zu lösen, kooperiert die TU Berlin mit Unternehmen der Region Berlin-Brandenburg und mit dem Institut für Gewässerökologie am Müggelsee, das zur Leibniz-Gemeinschaft gehört. Auch die Universität Essen sowie die Beratungsunternehmen Obermeyer und Dornier Consulting sind beteiligt. Im Teilprojekt „Abwasseraufbereitung und Wiederverwendung“ arbeitet die TU mit der Tsinghua Universität und den Abwasserwerken in Peking zusammen. Alle Fäden laufen bei Mathias Ernst zusammen, dem Geschäftsführer des TU-Forschungsschwerpunktes.

Die chinesischen Organisatoren erwarten außerdem einen ungekannten Ansturm von Touristen aus dem Ausland. Deshalb wollen sie den Flughafen von Peking logistisch auf Vordermann bringen, um die Touristenmassen und Warenströme schnell in der Metropole zu verteilen. TU-Logistiker wurden gebeten, dafür moderne Lösungen zu erarbeiten.

Die TU Berlin hat in China traditionell ein starkes Standbein, weil sich viele junge Chinesen an der Universität in Charlottenburg einschreiben. Sie bilden die größte Gruppe nach den türkischen Studenten.

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