Zeitung Heute : Den Ausstellern war die ITB eine Reise wert

Der Tagesspiegel

Mihai Dimofti fährt mit guter Laune nach Hause. „Die Nachfrage am Rumänien-Stand war besser als in den Vorjahren. Weil mehr Leute Angst vorm Fliegen haben, sind nahe gelegene Ziele stärker gefragt.“ Die Stimmung des Vertreters von „Atlantic Tour“ kann stellvertretend stehen für wohl die meisten der 9875 Aussteller aus 181 Ländern und Gebieten. In einer für die Branche schwierigen Situation habe die Internationale Tourismusbörse (ITB) „ihr hohes Niveau bestätigt und als stabilisierender Faktor auf die internationale Tourismuswirtschaft gewirkt“, sagte der Geschäftsführer der Messe Berlin GmbH, Christian Göke, zum Abschluss der fünftägigen Schau.

Insgesamt kamen rund 121 000 Besucher, das sind 2000 weniger als 2001 – aber immer noch mehr als vor zwei Jahren (118 900). Es kamen mehr Fachbesucher, und zwar 65 000 Leute aus 190 Ländern und Gebieten, vergangenes Jahr waren es 57 000. Viele von ihnen trafen sich am Stand der Welt-Tourismus-Organisation (WTO). „Dieses Papier war sehr begehrt“, sagt eine Mitarbeiterin: 64 Seiten „Special Report“ über „Tourism after 11 September 2001: Analysis, remedial actions and prospects“. Eine Prognose der WTO habe ergeben, dass sich bereits eine Erholung der Tourismusindustrie abzeichne und mittel- und langfristig mit Wachstum zu rechnen sei. Auch die USA-Vertreter zeigten sich zuversichtlich. Die New Yorker Hotellerie rät, man solle frühzeitig buchen, Preise und Auslastung haben fast das alte Niveau erreicht. Die USA boten mit ihrem „SeeAmerica“-Pavillon erstmals auch ein Unterhaltungsprogramm mit VIPs wie die Gouverneure von Alaska und Minnesota. Nach einer Umfrage eines unabhängigen Meinungsforschungsinstituts machten 46 Prozent der Aussteller Geschäftsabschlüsse. 81 Prozent beurteilen das geschäftliche Ergebnis als positiv, 84 Prozent erwarten ein gutes Nachmessegeschäft. Die wirtschaftliche Entwicklung der Branche im Frühjahr 2003 wird im Vergleich zu diesem Frühjahr von 63 Prozent der Aussteller als günstiger eingeschätzt. Ihre Beteiligung an der ITB 2003 haben ebenso viele der Aussteller angekündigt. Die Fachbesucher interessierten sich vor allem für die Marktsegmente Kulturtourismus, Städtereisen, Wellness und Aktivurlaub. Etwa 40 Prozent der allgemeinen Besucher wollen auf Grund von Messeinfos eine Reise buchen, mehr als zwei Drittel der Befragten planen dieses Jahr mehr als eine Reise. Bevorzugte Urlaubsziele: Südeuropa (29 Prozent) und Deutschland (20 Prozent).

Als überaus positiv schätzte auch die Dorint-Hotelgruppe die Resonanz am Stand ein. Überraschend seien viele Fachbesucher aus den USA gekommen, gute Geschäfte konnten angebahnt werden. Svenja Noeh von „Outback Africa“ hätte sich mehr Kontakt zu anderen Fachbesuchern gewünscht. Peter Pfitzer, Südafrika-Experte, meinte, das Land liege auch wegen des günstigen Euro-Kurses im Trend. Ibrahim Ahli, Dubai, freute sich über „ein sehr erfolgreiches Ergebnis“ – 2001 gab es sogar einen Anstieg bei den Buchungen aus Deutschland.

Doch waren auch verhaltene Stimmen zu hören, etwa am Stand von „Delphin Seereisen“: „Die Leute sparen überall, auch am Messeeintritt“. Keine langen Schlangen beim Mann am Crepes-Stand, und der Fahrer eines VIP-Busses meinte: „Letztes Jahr haben die Aussteller in den Hallen abends mehr Parties gefeiert“.

kög/dpa

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