Zeitung Heute : Den Ball sichern

Christian Tretbar[Paris]

Die deutsche Nationalelf läuft heute zu ihrem letzten Länderspiel in diesem Jahr auf. Wie wird die Sicherheit der Spieler und der Zuschauer – angesichts der Krawalle in Frankreich – gewährleistet?


Diese Frage haben sich nicht nur die Verantwortlichen des Deutschen Fußball- Bundes gestellt, sondern auch die 2000 deutschen Fans, die sich das Spiel im Stade de France anschauen wollen. Das Stade de France liegt 20 Minuten von der Metropole entfernt in St. Denis, einem der Pariser Vororte, in dem es in den vergangenen Nächten immer wieder zu Ausschreitungen kam.

Doch nicht erst seit den jüngsten Krawallen ist das Viertel rund um das Stadion, in dem Frankreich 1998 Weltmeister wurde, ein sozialer Brennpunkt. Insbesondere Immigrantenkinder leben in dieser Region und man hat sich vor zehn Jahren ganz bewusst dafür entschieden, das Stadion dort zu bauen, um ein Zeichen zu setzen und die Gegend aufzuwerten.

In den vergangenen zwei Nächten ist es recht ruhig geblieben rund um das Stadion. Die echte Bewährungsprobe kommt aber erst, wenn die 70000 Besucher ins Stadion rein- und wieder rausströmen. „Ich habe keinerlei Bedenken für das Spiel“, sagt Pascal Simonin, Generaldirektor der Stadionverwaltung. „Um das Stadion herum werden auf jedem Quadratmeter Polizisten sein und aufpassen. Außerdem kontrollieren private Sicherheitsdienste die Besucher, so dass sich die Polizei voll auf ihre Aufgaben konzentrieren kann“, erklärt Simonin weiter. Darüber hinaus stehen die Verantwortlichen des Stade de France in ständigem Kontakt mit der Stadtverwaltung und Jugendorganisationen. „Das ist schon seit acht Jahren so und wir hatten noch nie auch nur ein Problem mit den Jugendlichen aus der Umgebung“, beruhigt Simonin.

Trotzdem sind alle in Alarmbereitschaft. Auch die deutschen Versicherungen. Sie raten den Fans, die das Spiel besuchen wollen dringend davon ab, mit dem Auto anzureisen. Sie würden keine Haftung für brennende deutsche Autos rund um das Stadion übernehmen. Stattdessen bieten sie den Fans lieber 20 Euro Fahrtkostenzuschuss an, wenn sie Bahn oder Flugzeug nutzen. Das Stadion selbst ist mit der Metro und Vorortlinien gut zu erreichen. Die An- und Abreise wird auch bewacht. Wer lieber mit dem Wagen fährt, sollte in der 900 Pkw fassenden Tiefgarage des Stadions parken, die ab acht Uhr geöffnet ist.

Aber nicht nur in St. Denis wird alles für die Sicherheit getan, auch in Paris selbst. Denn der französischen Hauptstadt könnte ein „heißes Wochenende“ bevorstehen. In Internetforen rufen die Randalierer der vergangenen Tage zum Sturm auf Paris auf.

Am Freitag war in Frankreich Nationalfeiertag zu Ehren des Waffenstillstands am 11. November 1918. Traditionell legt der Staatspräsident an diesem Tag am Denkmal des unbekannten Soldaten auf den Champs-Élysées einen Kranz nieder. Dieser Akt wurde von 2200 Polizisten bewacht.

In der ganzen Stadt patrouillieren mehr als 5000 Polizisten das ganze Wochenende über. Sogar die Reservisten wurden in Bereitschaft versetzt. Das zeigt auch erste Erfolge, denn in den vergangenen Tagen wurden weit mehr als 1000 Jugendliche festgenommen. Zudem werden die Betreiber der Internetforen überwacht. Erste Festnahmen gab es bereits.

Die deutsche Fußballnationalelf selbst bekommt davon nicht viel mit. Sie logiert am mondänen westlichen Stadtrand zwar in unmittelbarer Nähe zu den Champs- Élysées. Aber das Luxushotel „Le Meridien“ wird rund um die Uhr bewacht. Außerdem hat der DFB zwei unbewaffnete Sicherheitsbeamte aus Deutschland dabei, die aufpassen. Die Zufahrt zum Stadion erfolgt für den DFB-Tross über weite Ringstraßen direkt unter die Arena. Am Freitagmittag kam die Mannschaft in Paris an und fand laut Mediendirektor Harald Stenger vor allem eins vor: Normalität. „Wir sind alle entspannt. Die Situation ist völlig normal und angenehm.“

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