Zeitung Heute : Den bunten Fenstern auf der Spur

Der Tagesspiegel

Potsdam. Im 19. Jahrhundert waren fast alle Fenster bunt: Kirchen und Kapellen, Herrenhäuser, Hospitäler, Rathäuser und Privatwohnungen wurden mit farbenprächtigen Glasmalereien ausgeschmückt, das Gewerbe florierte. Doch lange hielt die Freude nicht, die Fenster wurden bald zerstört und durch durchsichtiges Glas ersetzt, der Krieg tat ein Übriges.

Auf den Spuren dieser Fensterkunst mit ihren biblischen Motiven, Heiligenfiguren, fürstlichen Wappen, Landschaften, Blumen, Tieren und einer reichen Palette von Ornamenten wandeln seit kurzem Potsdamer Kunsthistoriker bei der Arbeitsstelle Glasmalereiforschung des Corpus Vitrearum Medii Aevi der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am Potsdamer Alten Markt. Hauptarbeitszeug ist derzeit noch der Fragebogen, die von Kirchen ausgefüllt werden - wo Kunsthistorikerin Angela Klauke zunehmend auf Interesse bei Pfarren und Kirchenvorständen. stößt. „Manchmal erhalten wir zwar die Auskunft, da wäre nichts Wertvolles. Es zeigt sich dann aber oft, dass durchaus bemerkenswerte Scheiben existieren."

Den Forschern geht es auch um Fenster jüngeren Datums, denn die Mittelalterkunst wurde im 19. Jahrhundert fortgeführt. Bisweilen wurden die Fenster von vornehmen Leuten gestiftet. An Albrecht den Bären, König Friedrich Wilhelm IV. und Kaiser Wilhelm II. erinnern Scheiben in Klein Glienicke oder in der Dorfkirche von Hohenfinow. Auch in der Dorfkirche zu Bomdorf (Oder-Spree) blieb eine solche Stifterscheibe von 1876 mit einem Damenbildnis und zwei Kinderporträts erhalten. „Gelegentlich wurden sie Gemälde von Raffael, Dürer oder Cranach nachempfunden“, sagt Klauke. Obwohl die Scheiben aus der von Friedrich Wilhelm IV. nach Münchner Vorbild im Jahr 1843 gegründeten Königlichen Glasmalereianstalt in Berlin und anderen Unternehmen wesentlich jünger sind als die aus dem Mittelalter, seien sie doch wie diese hochgefährdet. Nötig wäre, die neueren Scheiben durch Doppelverglasungen zu schützen. Doch das kostet viel Geld.

Die Potsdamer Arbeitsstelle dokumentiert die Motive nicht nur, sie gibt auch Hinweise für Restaurierungsarbeiten. Während das Forschungszentrum für mittelalterliche Glasmalerei in Freiburg im Breisgau den mittelalterlichen Glasmalereibestand in den alten Bundesländern erforscht und publiziert, ist die Arbeitsstelle für Glasmalereiforschung für die neuen Länder zuständig. Helmut Caspar

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