Zeitung Heute : Den Deutschen sind die Online-Kosten zu hoch

In der modernen Informationsgesellschaft erweisen sich die Deutschen als Internetmuffel. Nur acht Prozent der Bundesbürger verfügen über einen Anschluss ans World Wide Web, in den USA sind es dagegen 30 Prozent. Das sagte der Direktor des Information Society Activity Centers der Europäischen Kommission, Jörg Wenzel, am Rande des Weltkongresses der Internationalen Gesellschaft für Medien und Kommunikationswissenschaften in Leipzig.

Als Gründe dafür nannte er unter anderem die in Deutschland immer noch zu hohen Kosten, um ins Internet zu gelangen. Der deutsche Telekommunikationsmarkt sei viel zu spät liberalisiert worden, die Preise für einen Internetzugang seien deshalb "wirklich abschreckend".

Hinzu kommt seiner Ansicht nach noch etwas anderes: "In Deutschland gibt es nicht wie in den USA eine Aufbruchstimmung in Richtung neue Technologien." Zunächst würden immer deren Risiken und Folgen diskutiert, was bei den Verbrauchern zu Verunsicherung führe. Wenig aufgeschlossen gegenüber der neuen Technologie seien vor allem die kleinen und mittleren Betriebe, für die eine Beteiligung an der modernen Informationsgesellschaft eine Überlebensfrage sei. Von ihnen verfügten nur 15 Prozent über einen Internetanschluss und lediglich sieben Prozent über eine eigene Web-Seite. Gerade diesen Unternehmen müsse klargemacht werden, dass sie mit dem Verzicht auf eine Firmenpräsentation im Internet große Chancen vergäben.

"Die Informationswirtschaft ist neben der Tourismuswirtschaft die einzige wirklich dynamische Branche mit zweistelligen Zuwachsraten", berichtete Wenzel. Allein in den vergangenen beiden Jahren seien in diesem Zweig 100 000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. In den Medien spiele dieser Wirtschaftsbereich noch immer eine zu geringe Rolle.

Die Internationale Gesellschaft für Medien und Kommunikationswissenschaften veranstaltet jährlich einen solchen Weltkongress, den nächsten in Singapur.

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