Zeitung Heute : Den dritten Weg nehmen

Britta Wauer

Wie eine Ost-Berlinerin die Stadt erleben kann

Vor knapp acht Jahren öffnete in der Torstraße ein Möbelladen. Durch die Schaufenster sah man drei Regalsäulen, die mit Telefonbüchern bestückt waren. Zuerst hielt ich es für eine Kunstaktion – nie war ein Mensch zu sehen, ein Schild leuchtete: „Moebel Horzon“. Nach Wochen entdeckte ich den Hinweis, dass man bei Interesse eine Telefonnummer anrufen könne.

Wie sollte ein solcher Laden überleben? Ich wusste nicht, dass er Teil eines Systems war, erdacht von Rafael Horzon. Er hatte an verschiedenen Orten der Welt das Studieren probiert, ohne dabei glücklich zu werden. Schließlich beschloss er, eine eigene Hochschule zu gründen, in der Studenten Seminare gestalten können und keine Gebühren zahlen müssen. Weil er bald im Organisationschaos versank, suchte Herr Horzon formschöne, praktische und preiswerte Regale – und fand keine. Also entwarf er selbst welche, die so viel Neid erzeugten, dass er beschloss, sie auch anderen anzubieten. Das war der Beginn von „Moebel Horzon”.

Und „Möbel Horzon“ half, die Akademie zu finanzieren. Horzon nannte es den „Dritten Weg“. Er schrieb ein Buch über sein Konzept, sein Firmenimperium nannte er „Modocom“. Es besteht im Wesentlichen aus ihm selbst und seinen Ideen.

Viele halten ihn für einen Künstler. Aber der will er nicht sein. Kunst verändere nichts, sagt er. „Moebel Horzon“ sei angetreten, „um IKEA, Flötotto und Rolf Benz vom Markt zu verdrängen“.

Bis es so weit ist, muss Horzon noch einige Regale verkaufen. Inzwischen gibt es verschiedene Modelle, in den Schaufenstern an der Torstraße wird es eng.

Natürlich kann man das Konzept auch klauen. Neu ist ein Laden in der Rosa-Luxemburg-Straße, in dem ein Tisch, eine Lampe und ein Kleiderständer stehen. Nachmittags manchmal auch ein großer dunkler Hund. Auch hier gilt: Anruf genügt!

„Moebel Horzon“: Torstr. 68. „R. T. Hansen Contemporary“: Rosa-Luxemburg-Str. 24-26

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