Zeitung Heute : Den Frieden fördern

Wie eine Mutter Berlin erleben kann

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Zwischenmenschliche Beziehungen sind ein schwieriges Kapitel. Besonders für ein Mädchen im Alter von knapp sieben Jahren. Freud und Leid, Liebe und Hass und all das, was man dafür hält, wechseln in einer derart rasanten Folge ab, dass der erwachsene Betrachter den Überblick schnell verliert. Dabei sind Jungs noch gar nicht im Spiel, in der Regel geht es um die Kür der aktuellen Freundin.

Neulich hatte Charlotte Besuch von Freundin Milena Schulz. Aus dem Kinderzimmer hörte ich deren glockenhelles Stimmchen harte Worte sagen: „Weißt du was, ich hasse Rebecca Meier.“ Meine Tochter äußerte sich nur unwesentlich freundlicher. Das verwunderte mich einigermaßen. Vor nicht allzu langer Zeit hatten doch Charlotte und jene Rebecca Meier bei ihrem Spiel eine Front gegen Melina gebildet, die ungerührt nach Hause geschickt wurde. Vor ein paar Tagen erwischte es dann unsere Tochter. Auf der Straße ließen Melina und Rebecca Charlotte abblitzen.

Das Kind war zutieftst geknickt und forderte mütterliche Empörung und Strafpredigten für die beiden Abtrünnigen. Mit einer Einladung zum Geburtstag bräuchte keine der beiden mehr zu rechnen. Was für kleine Zicken, dachte ich mir. Alle drei. Und mischte mich lieber nicht ein. Den zarten Hinweis, dass sie selbst in ihrer Beziehungspflege nicht immer vorbildlich ist, konnte ich mir nicht verkneifen. Ich empfahl Charlotte, selbst mit ihren Freundinnen-Feindinnen darüber zu reden, wie weh so eine Zurückweisung tut, und dass man sich doch auch zu Dritt arrangieren kann.

Das Friedensgespräch führte sie dann – auf ihre Art. Sie schnappte sich Milena in der Schule: „Wenn du jetzt nicht mit mir reden willst, dann reden meine Eltern mit deinen. Und dann kriegst du richtig Ärger.“ Nun ja, das waren nicht ganz meine Worte, Charlotte war jedoch mit dem Resultat des Gesprächs zufrieden. Zum Geburtstag in wenigen Tagen dürfen Milena und Rebecca kommen.

Unsere Tochter pflegt aber auch weniger konfliktträchtige Beziehungen. Da gibt es zum Beispiel die Freundschaft mit Anna. Anna und Charlotte – das war über Jahre hinweg eine ideale Symbiose. Leider zog Anna vor gut einem Jahr weit weg. Der Abschied war Herz ergreifend. Wir Mütter konnten damals gar nicht zusehen. Jetzt treffen sich die Mädchen nur noch bei Stippvisiten und setzen dann ihr Spiel an der Stelle fort, wo sie es vor langen Monaten beendet haben. Zwischen ihnen herrscht das beste Verständnis. „Ich freue mich so sehr auf dich wie noch nie“, schrieb Anna neulich. In Charlottes Freundschaftsbuch trug sie ein, dass sie Charlotte „wirklich sehr mag“. Inzwischen führen die beiden sehr gerne Dauertelefonate und schicken sich Postkarten.

Solche Freundinnen haben bestimmt die Macher der „Bibi und Tina“-Hefte im Auge. Denen liegen nämlich immer zwei Kleinigkeiten für die besten Freundinnen bei. Herzchen, Freundschaftsbänder, Ringe. Gibt es so was eigentlich auch für ein Girlie-Trio? Das könnte die Stimmung zuweilen heben. Sigrid Kneist

„Bibi und Tina“-Hefte erscheinen monatlich, 2,30 Euro. Das Porto einer Postkarte kostet 51 Cent.

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