Zeitung Heute : Den Funken befeuern

Bei der Gründung von Start-ups können Berliner Studierende auf die Hilfe ihrer Hochschule setzen.

Machten ihre Idee zur Innovation: Gründer Shoaib Burq (vorne li.) und Kashif Rasul (vorne re.) mit Mentorin Agnès Voisard (vorne Mitte) und dem Team ihres Unternehmens SpacialDB.
Machten ihre Idee zur Innovation: Gründer Shoaib Burq (vorne li.) und Kashif Rasul (vorne re.) mit Mentorin Agnès Voisard (vorne...Foto: Thilo Rückeis

Längst ist Berlin eine international anerkannte Hochburg für Start- ups. Die Universitäten ermuntern ihre Studenten, Geschäftsideen in die Praxis umzusetzen – und fördern sie mit Geld und Beratungsprogrammen.

Auf einer Fahrt in die Schweiz entstand die Idee, die Shoaib Burq und Kashif Rasul zu Firmenchefs machte. Burq und Rasul sind Mathematiker und spezialisiert auf Datenbanken, die ortsgebundene Informationen, sogenannte Geodaten, verwalten. Ihre Idee: Sie entwickeln nach Kundenwünschen eine Software, die Daten sammelt, verwaltet, pflegt und anpasst. Ihre Professorin an der Freien Universität (FU) ist sofort begeistert von dem Plan. Finanzielle Anschubhilfe bekommen sie von der Hochschule. Außerdem werden den beiden Berater zur Seite gestellt, die ihnen bei der Gründung ihrer Firma SpacialDB helfen.

Dass ihr Wissen gebraucht wird, haben Burq und Rasul bereits unter Beweis gestellt. Die indonesische Regierung hat mit ihrem Wissen ein Frühwarnsystem für Tsunamis entwickelt, in Australien nutzten Bauern im Outback ihre Datenbanken. Jetzt sind die beiden weltweit auf Kundensuche. Weitere Interessenten gibt es schon.

Geschichten wie diese sind an Berlins Hochschulen keine Seltenheit. Geschäftsideen tauchen überall auf. Meist ist es ein Alltagsproblem, das gelöst werden will. Manchmal springt beim Vortrag des Professors der entscheidende Funke über. Steffen Terberl, Teamleiter von Profund, einer Gründerförderung der FU, sorgt dafür, dass die Ideen nicht verpuffen. „Entrepreneurship spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Ideen und Forschungsergebnisse der Universität für Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen“, sagt er. „Ausgründungen aus Hochschulen sind häufig wachstumsstark und schaffen Arbeitsplätze.“

Auch die Technische Universität (TU) ermuntert Studenten und Wissenschaftler, Theoriewissen in die Praxis umzusetzen. „Die Gründungen sind ein Motor für Kreativität und Innovation“, sagt Agnes von Matuschka, Leiterin des Gründungsservices an der TU und Co-Leiterin des Zentrums für Entrepreneurship. „Sie sind Teil unserer Kultur an der Universität.“ Viele Akademiker hätten zwar konkrete Projekte im Kopf, aber das Risiko mit einem neuen Produkt oder einer Dienstleistung auf den Markt zu gehen, sei vielen zu groß. Die Universität sorge für den „kleinen Schubs“, der fehlt. Die Unterstützung sieht dabei ganz praktisch aus: Ein Raum für Besprechungen, Hilfe beim Schreiben eines Businessplans und Beratung, wenn der Erfolg auf sich warten lässt oder die Idee für Streit zwischen den künftigen Partnern sorgt.

Um Geschäftsideen von Akademikern zu fördern, haben sich zwölf Berliner Unis und Fachhochschulen zu dem Netzwerk „B!gründet“ (www.begruendet-berlin.de) zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie Wissenschaftlern und Studenten auf dem Weg in die Selbstständigkeit helfen, unterstützen bei Anträgen für Kredite, bei Wettbewerbsausschreibungen oder informieren darüber, welche Förderprogramme es gibt. Vor allem aber bringen sie die Neulinge mit denen zusammen, die aus einer verrückten Idee bereits ein gewinnbringendes Geschäftsmodell gemacht haben. Schöner Nebeneffekt: Nicht nur die Unternehmen und Hochschulen profitieren, sondern auch der Standort Berlin.

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