Zeitung Heute : Den Himmel hören

Britta Wauer

Wie eine Ost-Berlinerin die Stadt erleben kann

Wer hat sich den Charakter von Mars ausgedacht? Nur weil der Planet rost- bzw. blutrot aussieht, wird er seit dem Altertum mit Krieg in Verbindung gebracht. Dabei kommt die rote Farbe doch nur von etwas Eisenoxid-Staub, der in der Atmosphäre umherschwirrt. Aber wen kümmert das? Mars trägt den Namen des römischen Kriegsgottes und muss nun Angst und Schrecken verbreiten.

Ein Freund sagte mir neulich am Telefon, mitten in die Abschiedsgrüße hinein, dass ich Acht geben soll, denn „die Planeten stehen auf Krieg“. Die Konstellation von Mars, Merkur und Saturn hatte ihn sehr beunruhigt. Jedenfalls ging ich am Abend mit einem mulmigen Gefühl ins Bett und nahm mir vor, mich dringend mit der Wirkung der Planeten zu befassen.

Wie der Zufall es wollte, stieß ich am nächsten Tag auf eine Ankündigung der Philharmonie. Dort wird am Sonntag das Werk des englischen Komponisten Gustav Holst aufgeführt. Es heißt „Die Planeten“ und jeder Satz ist einem solchen gewidmet. Der Legende nach soll bei der ersten Aufführung der Suite 1918 in London nicht nur das Publikum ergriffen gewesen sein. Als der Satz „Jupiter, Bringer der Fröhlichkeit“ gespielt wurde, hätten die Putzfrauen in den Gängen ihre Scheuerlappen beiseite gelegt, um miteinander zu tanzen, so heißt es. Nur „Pluto“ fehlt bei Holst, weil er damals noch nicht entdeckt war. Dafür hat der Brite Colin Matthews vor ein paar Jahren den Satz „Pluto, der Erneuerer“ komponiert. Mitte des Monats wird er zusammen mit den anderen Planeten von Holst aufgeführt. Außerdem haben die Philharmoniker vier junge Komponisten beauftragt, ein Orchesterwerk zum Thema Himmelskörper zu schaffen. Welches Temperament da welchem Asteroid zugeschrieben wird – am 16. März ist Uraufführung von „Ad Astra“.

„The Planets“ am 5. März, 16 Uhr, und „Ad Astra“ 16. bis 18. März, 20 Uhr, in der Berliner Philharmonie, Tel. 254 88 999.

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