Zeitung Heute : Den Mond besuchen

Wie eine Mutter Berlin erleben kann

Heike Jahberg

Im Winter haben viele Menschen schlechte Laune und fühlen sich mies. Das liege am fehlenden Sonnenschein, sagen die Wissenschaftler. Für die meisten unter uns mag die Diagnose zutreffen, für eine kleine Erdenbürgerin nicht. Linda (zwei) liebt den Mond. Unsere Kleine hält ihn für ihren ganz persönlichen Freund. Kaum verschwindet die Sonne, und der Mond ist am Himmel zu sehen, hängt sie am Fenster, um ihren treuen Gefährten zu begrüßen. „Mondi, süßer Mondi“, säuselt sie. „Wo warst du nur so lange?“

Ihre Verbundenheit zum Mond hat Linda inzwischen erste astronomische Kenntnisse beschert. Durch genaue Beobachtung hat sie herausgefunden, dass der Mond zuerst am Wohnzimmerfenster zu sehen ist, dann hinüber zu ihrem Schlafzimmer wandert und morgens über dem U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim verblasst. Wenn die Sonne wieder aufgeht, muss der Mond ins Bett, glaubt die kleine Himmelsforscherin. Es könnte aber auch sein, dass er weiter nach Amerika wandert – das jedenfalls behauptet Lindas großer Bruder Tom. Egal. Hauptsache, die große gelbe Scheibe kommt abends wieder. Und so ganz sicher kann man da nie sein. „Heute kommt der Mond nicht“, sagte Linda kürzlich, „heute ist ihm zu kalt, da will er lieber bei seiner Mami bleiben".

Zum Glück war es dem Mond dann doch nicht zu kalt, und er erschien pünktlich am Himmel. Immerhin ist der Gute einiges gewöhnt. Minus 120 Grad werden es nachts auf dem Mond, verglichen damit sind unsere Wintertemperaturen fast schon tropisch. Um weiteren astronomischen Irrtümern unserer Mondfreundin vorzubeugen, hatten wir kurz erwogen, mit der Kleinen ins Planetarium zu gehen und uns Peterchens Mondfahrt anzuschauen. Allerdings riet uns der große Bruder (sieben) energisch davon ab. Tom hat das Stück nämlich als kleiner Junge schon gesehen und fand es “sterbenslangweilig". Seit seinem damaligen Besuch im Planetarium will unser Sohn von den Sternen nichts mehr wissen.

Dann doch lieber das Original. Zu ihrem dritten Geburtstag bekommt unsere Kleine weder Kaufmannsladen noch Baby Born, sondern ein Grundstück auf dem Mond. Zwar ist der Eigentumserwerb rechtlich noch ein wenig zweifelhaft, dafür kosten die Parzellen aber auch nicht viel. Je nach Anbieter und Größe zwischen 24,95 und 30 Euro - und das garantiert auf der erdzugewandten Seite, so dass wir unsere Immobilie nachts im Blick haben. Wenn Linda den Kindergrößen entwachsen ist, können wir unserem Monddomizil sogar einen Besuch abstatten. Dann schlüpfen wir stilgerecht in Nasa-Overalls für 129 Euro das Stück und fliegen los. Hinauf zu unserem neuen Zweitwohnsitz. Garantiert steuer- und sozialabgabenfrei. Und fast frei von Schwerkraft: Aus 70 beschwerlichen Erden- werden so unbeschwerte 11 Mondkilos. Mondi, süßer Mondi, wir kommen. Heike Jahberg

Mondgrundstücke gibt es bei www.mondmakler.de und www.mond.de , Nasa-Anzüge bei www.astroshop.de . Das Programm der Wilhelm-Foerster-Sternwarte am Insulaner, Munsterdamm 90, 12169 Berlin können Sie telefonisch unter 790093-O erfragen.

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