Zeitung Heute : Den Netzpiraten auf der Spur

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1963 machte der spektakulärste Raub des Jahrhunderts auf einen Postzug in England Ronald Biggs nach seiner Flucht nach Brasilien weltberühmt. Die Zeit großer Überfälle mit Pistole und Strumpfmaske scheint indes vorbei zu sein, denn Kriminalität im Cyberspace gilt als die Methode des 21. Jahrhunderts. Die Computer-Journalisten Armin Medosch vom Online-Magazin Telepolis sowie der Autor Janko Röttgers haben nun ein Buch mit dem Titel "Netzpiraten. Die Kultur des elektronischen Verbrechens" herausgegeben, das die inhomogene Szenerie der Computer-Kriminalität untersucht, ohne alle Hacker in einen Topf zu schmeißen, wie es sonst häufig geschieht.

Herausgekommen sind Erklärungsversuche nach dem Grund solcher Handlungen, die oft in strafrechtlicher Grauzone, noch öfter aber darüber hinaus stattfinden. Die Themen über die Subkultur der Netzpiraten widmen sich dem Zusammenhang von Napster und Urheberrecht oder berichten von seltsamen Sammelleidenschaften der Computer-Viren-Freaks. Zudem geben sie Einblicke über Reklameterror mit E-Mails oder die Cracker-Szene, die sich mit Kopierschutz auseinander setzt. Das Buch liest sich größtenteils sehr unterhaltsam, wenn etwa Bernhard Günther eine Brücke schlägt von den echten Piraten aus Eroberungszeiten zu den modernen Nachfahren, die über Musikbörsen geistiges Eigentum rauben, oder bei Florian Schneiders Ausführungen zu Spam und Gewürzgurken.

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