Zeitung Heute : Den Takt brechen

Wie eine Partygängerin Berlin erleben kann

Christine Lang

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Kennen Sie eigentlich den Unterschied von Electronica und Techno? Oder den von Detroit und Chicago House? Garage und 2Step? Clicks’n’Cuts, Ambient? Bass und Drum’n’Bass? Clubmusik zeichnet sich durch eine ausdifferenzierte Genrevielfalt aus, so dass nur Experten den Überblick bewahren. Elektronische Musik wäre auf jeden Fall auch ein schönes Thema für Herrn Andrack gewesen, der in der Harald Schmidt-Show mit Hörbeispielen einst Licht ins Dunkel der Stilvielfalt des Metal gebracht hat.

Zum Glück gibt es ja in Berlin für jeden Musikstil einen Fan, jede Musikrichtung hat ihre Lobby, beziehungsweise ihre Location. Am Rande aller derzeitigen Hypes gibt es eine kleine Breakbeat-Szene, die regelmäßig mit Veranstaltungen in Berlin vertreten ist. Breakbeat war Anfang der 90er mal eine Bezeichnung für den musikalischen Vorläufer von Jungle und zeichnet sich, wie es der Name schon sagt, durch „gebrochene Beats“ aus. Im Unterschied zu dem in Techno und House gängigen vierviertel Takt (Bassdrum-Hihat-Snare-Hihat), zu dessen Beat wohl jeder tanzen kann, wird hier mit dem Takt gespielt: Bassdrum-Hihat-Snare-Hihat-Hihat-Bassdrum-Snare-Hihat. Breakbeat klingt daher ähnlich wie Drum’n’Bass, nur viel langsamer; das Tempo ist eher wie bei Big Beat oder House. (Soweit alles klar?)

Zu den Berliner Breakbeat-Aktivisten zählen unter anderen DJ ED2000 und DJ Vela mit ihrem Label Dangerous Drums, DJ Gaya Cloud mit der Beatenterprises-Veranstaltungsreihe am Mittwoch im Delicious Doughnuts, das DJ-Team Arzt und Asthma mit den Doktorspiele-Partys, DJ Tosh mit seinem Label ViperJive und DJ T-Ina mit den Femmes With Fatal Breaks. Ein wichtiger Club für Breakbeat scheint sich gerade in Friedrichshain zu etablieren, der Trafo. Das liegt sicherlich auch daran, dass der im Sommer eröffnete Club über eine super Soundanlage verfügt. Und Breakbeat braucht gute Boxen, damit die Bässe sich schön in den Magen drücken können. Heute Abend können Sie die Boxen testen und sich Hörbeispiele in den Magen drücken lassen (falls Ihnen der Beschreibungsversuch oben unzureichend erscheint). Heute lohnt sich der Clubbesuch außerdem wegen des Liveauftritts von Heidi Mortenson. Der Sound der in Barcelona lebenden Dänin, ihre One-Woman-Show mit verdrehten Beats, Breaks und Sounds ist eine schöne Einleitung in eine zu Breakbeat durchtanzte Nacht.

Und zuletzt möchte ich noch mal auf die Berliner Stilvielfalt zurückkommen, denn ausgerechnet an diesem Wochenende haben Sie eine riesige Auswahl von Partys. Heute beginnt die Modemesse Bread & Butter, zu deren Rahmenprogramm jede Menge Musik gehört. Sie werden zu allem von A bis Z tanzen können – oder sagen wir von mal Acid bis World Music. Zu Z wie Zwölftonmusik kann man ja wohl nicht tanzen, oder?

Heute ab 23 Uhr: „Femmes with Fatal Breaks“ DJ T-Ina, DJ Arzt, special guest Heidi Mortenson (live) im Trafo, Libauerstraße Ecke Kopernikusstraße Friedrichshain.

Infos zu den Events der Modemesse „Bread & Butter“ unter www.breadandbutter.com

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