Zeitung Heute : Den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger kann weder das Jahr 2000 noch das Web erschrecken

Tina Angerer

"Wir werden auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken können", eröffnete Hubert Burda, Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) gestern in Berlin die VDZ-Generalversammlung. Wirtschaftlich stabil könne man voller Zuversicht ins nächste Jahrtausend gehen. "Print ist für fast alles die beste Erklärung. Wenn sie sich ein Handy kaufen, bekommen sie immer noch eine schriftliche Gebrauchsanweisung", so Burda. Man sehe zwar in den USA die Verdrängung des Fernsehens durch das Internet, den Zeitschriften drohe aber keine Gefahr. "Es hat sich gezeigt, dass Zeitschriften sich optimal mit dem Internet ergänzen." In den Komplementär-Angeboten zu den Online-Diensten hätten die Zeitschriften eindeutig die Führung übernommen. Daran müssen sich nach Ansicht des Vorsitzenden der Burda-Holding die zukünftigen Investitionen ausrichten.

Auch Karl Dietrich Seikel, Geschäftsführer des Spiegel-Verlages und Vorsitzender des Fachverbandes Publikumszeitschriften des VDZ, gab sich zuversichtlich, obwohl "der deutsche Zeitschriftenmarkt weiterhin als einer der dicht besetztesten der Welt gilt". Im dritten Quartal 1999 wurden 837 Publikumszeitschriften gezählt, die in einer Auflage von 129 Millionen Exemplaren erschienen. Die Gesamtauflage sei seit Jahren konstant. 48 Prozent der Titel werden am Kiosk gekauft, 44 Prozent im Abo bezogen, der Rest im sonstigen Verkauf vertrieben. Beim Pressesortiment seien Umsatzzuwächse für die Zukunft nicht zu erkennen.

Seikel betonte aber die steigende Reichweite. Nach Jahren der Stagnation konnten die Publikumszeitschriften ihre Leserschaft wieder leicht vergrößern. In den neuen Ländern stieg die Reichweite um vier Prozent, in den alten immerhin um 0,6 Prozent. Als markantes Merkmal nannte Seikel außerdem die erfolgreiche Einführung neuer Titel im Markt, wie zum Beispiel "National Geographic" oder "Instyle". Auch im kommenden Jahr erwarte man neue Titel, besonders Wirtschafts- und Online-Magazine.

Im Werbemarkt sind die Bruttoerlöse im ersten Habjahr gegenüber dem Vorjahr um 4,1 Prozent auf fast 3,5 Milliarden Mark gestiegen. Damit liege man bei den Werbemarktanteilen mit 23 Prozent fast gleichauf mit den Zeitungen an zweiter Stelle hinter dem Fernsehen mit 43 Prozent. Man erreiche zwar noch nicht die Zuwächse, die das Fernsehen derzeit erlebt, man hoffe jedoch, in den nächsten zwei bis drei Jahren die Erlöse entsprechend weiter steigern zu können. Dabei profitieren die Verlage besonders von der Liberalisierung in den Strom- und Telekommunikationsmärkten und dem Trend, Unternehmen an die Börse zu bringen.

Expansiv ist der Online-Markt. Der VDZ rechnet in diesem Bereich für 1999 mit Brutto-Werbeerlösen in Höhe von 150 Millionen Mark. Das ist eine Steigerung von mehr als 100 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Schon im nächsten Jahr erwarte man eine Verdreifachung der Werbeumsätze.

Die neuen Medien bieten eine weitere wichtige Möglichkeit der Finanzierung: E-Commerce. Daran kommt wohl bald kein Medienunternehmen vorbei, lautete das Fazit der Zeitschriften-Verleger. Die direkte Vermittlung von Informationen über Produkte auf elektronischem Wege müsse aber von Seiten der Verlage noch weiter gefördert werden.

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