Zeitung Heute : Denkmalschutz kritisiert Baukonzept für geplantes Orient-Zentrum - Mietersuche in Türkei

Tobias Arbinger

Die geplanten Bauarbeiten für das orientalische Einkaufs- und Veranstaltungszentrum im "Prälat Schöneberg" stoßen auf der Widerstand der Unteren Denkmalschutzbehörde. Die Kritik richtet sich gegen die Idee der SF-Bau Projektentwicklungs GmbH, den stillgelegten Tanzsaal an der Hauptstraße wegen des "Orienta"-Projekts um einige Meter zu verschieben. Den Plan stellten die Investoren am Donnerstagabend in einer Sitzung des Stadtplanungs- und des Bauausschusses als Vorzugsvariante vor. Der Wappensaal aus den 30er und der Marmor-Kronen-Bankettsaal aus den 50er Jahren würden dabei aber nicht verschoben, wie etwa der Kaisersaal am Potsdamer Platz, sondern abgebrochen und wieder aufgebaut, sagte Denkmalschützerin Ingrid Schade. "Das Denkmal wäre nicht mehr dasselbe."

Die Verlagerung sei kein "K.O.-Kriterium", sagte der Architekt Roman Meyer. "Wir bauen auch so." Die Tanzsäle sind bei allen vorgestellten Varianten integriert. Die Vorteile der Verlagerung seien zum einen bautechnischer Natur, sagte Meyer. Zum anderen lägen die verschobenen Säle, die wieder als Veranstaltungsort genutzt werden sollen, dann an einem geplanten Grünzug zwischen Haupt- und Feurigstraße. In den beiden anderen Varianten, in denen sie am alten Ort blieben, wären sie von einem Parkhaus und dem Orienta umschlossen, bekämen kein natürliches Licht. Die Entwürfe unterscheiden sich auch hinsichtlich der Lage des Parkhauses. In einem liegt es an der Hauptstraße, in zweien, darunter in der Vorzugsversion, an der Feurigstraße.

Am Standort des Prälaten befand sich von alters her ein Dorfkrug. 1938 eröffnete die Berliner Schlossbrauerei dort einen Neubau, der im Krieg stark zerstört wurde. Vor dem Bau des Palais am Funkturm gehörten die übriggebliebenen und erweiterten Ballsäle zu den beliebtesten der Stadt. 1987 wurde der Prälat geschlossen, zwölf Jahre lang nach einer neuen Nutzung gesucht. Zuletzt scheiterte das Vorhaben, an diesem Ort einen Hotel- und Kinokomplex zu bauen. Das Konzept der SF-Bau sieht einen vierstöckigen Neubau, ein Parkhaus und eine bis zu 3000 Quadratmeter große Grünfläche vor. Im Orienta könnten unter anderem ein Wellness-Center mit türkischem Bad, Gold-, Silber- und Seidenläden, Reisebüros, Handwerker und Firmenrepräsentanzen Platz finden. Der neuen Nutzung muss aber noch die Bezirksverordentenversammlung zustimmen. Vergangenen Dezember wurde das Projekt in Istanbul türkischen Unternehmen vorgestellt, die als Mieter in Frage kommen. Architekt Meyer hofft, dass mit dem Abbruch des alten Prälat-Parkhauses Ende 2000 begonnen werden kann.

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