Zeitung Heute : Denn sie bewegt sich noch

Die Kontinentalplatten verschieben sich seit ewigen Zeiten. Wie diese Beben entstehen und warum das Gebiet in Iran besonders stark gefährdet ist

Gideon Heimann

Beim Thema Erdbeben denkt man sofort an San Francisco und die Sankt-Andreas-Falte in Kalifornien. Aber überall gibt es Bewegungen der 30 bis 60 Kilometer dicken Erdkruste, sagt Professor Rainer Kind, Geophysiker an der Freien Universität Berlin und Sektionsleiter am Geoforschungszentrum Potsdam: „Das gilt besonders für den Bereich von Portugal bis hin nach Indonesien“. So gab es in der Umgebung von Bam schon im August ein Vorbeben mit der Stärke 5,9 .

Das und das aktuelle Erdbeben im Südosten Irans wurde von der Arabischen Platte hervorgerufen. Sie bewegt sich seit Jahrmillionen mit etwa zwei bis drei Zentimeter pro Jahr nach Norden und drängt dabei gegen die Eurasische Platte. Genauer: der Boden des Persischen Golfs schiebt sich unter das Zagros-Gebirge des Iran, es faltet das Massiv dabei auf. Der Druck allein bewirkt aber noch kein Erdbeben. Wären die Grenzflächen der Platten weich, würden sie aneinander vorbeigleiten. Wären sie hart, könnte der Druck nichts ausrichten. Das Schlimme ist, dass das Gestein an den Rändern der Platten „bruchfähig“ ist. Teilweise über Jahrhunderte hinweg baut sich eine Spannung im Material auf, die zunächst von seiner Festigkeit aufgefangen wird. Erst wenn die Scherkräfte zu groß werden und die Haftreibung an den Rändern überwunden wird, kommt es zum Beben, das auf einen Schlag immense Kräfte freisetzt.

„Was die Erdbeben-Vorhersage so schwer macht, ist die Tatsache, dass es sich nur pauschal betrachtet um jeweils eine große Platte handelt“, sagt Rainer Kind. In Wirklichkeit gibt es noch kleinere Bereiche dazwischen, also gleichsam Bruchstücke und Anhängsel der großen Teile. „Der Bereich etwa, auf dem die Türkei liegt, bewegt sich gar nicht nach Norden, er wird von den großen Platten nach Westen herausgequetscht.“

Bessere Erdbeben-Vorhersagen erhofft sich der Fachmann von der Beobachtungstechnik per Satellit. Weltweit wird an Verfahren gearbeitet, die Bewegungen der tektonischen Platten schneller als bisher erkennen können. Und die Amerikaner sind gerade dabei, in Kalifornien Sensoren in mehrere Kilometer Tiefe einzubringen, damit sie bereits kleinste Veränderungen frühzeitig erfassen.

Der Ursprung all dieser Bewegungen findet sich vor etwa 225 Millionen Jahren. Da gab es nur einen „Superkontinent“: Pangäa. Doch die Erde befand sich nicht im Ruhezustand – oder besser: damals erst recht nicht. Allein die Temperaturunterschiede verursachen Unruhe: Im etwa 3000 Kilometer dicken Erdkern ist es bis zu 6000 Grad heiß. Die Wärme überträgt sich zu einem Teil auf den ebenfalls etwa 3000 Kilometer dicken Erdmantel, der gleichsam darauf schwimmt. Und obenauf liegt – in dem Größenverhältnis kaum mehr als eine Haut – die Erdkruste.

Pangäa teilte sich vor etwa 135 Millionen Jahren auf in einen nördlichen und südlichen Bereich: Laurasia mit Nordamerika, Europa und Asien sowie Gondwana mit Südamerika, Afrika, Indien, Australien und der Antarktis. Erst vor 65Millionen Jahren kam es schrittweise zu weiteren Trennungen und zur Herausbildung der Kontinente, wie wir sie kennen. Doch nördliche Teile von Gondwana stoßen eben immer noch auf Bereiche der nördlichen Kontinente.

Weiteres im Internet unter:

www.gfz-potsdam.de/bib/pub/schule/erdmantel_0211.pdf

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