Zeitung Heute : Der abstrakte Abkömmling

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Unter dem Begriff „Derivate“ wird eine Gruppe von Finanzinstrumenten zusammengefasst, deren Bedeutung in den vergangenen Jahren größer geworden ist. Derivate sind keine eigenständigen Anlage- und Risikosicherungsinstrumente, sondern haben immer einen festen Bezug zu einem so genannten Basisinstrument. Dieses Basisinstrument kann eine Aktie, eine Anleihe, ein Index, eine Währung, ein Rohstoff sowie andere Waren und Güter oder auch CO2-Emissionszertifikate oder Wetterrisiken sein.

Der Handel von Derivaten findet heute vor allem im OTC-Geschäft (dem so genannten Freiverkehr) direkt zwischen Banken, Fondsgesellschaften, Versicherungen und Hedge Fonds statt. In den vergangenen Jahren haben auch die Terminbörsen ihre Position im globalen Spektrum der Derivatemärkte deutlich gestärkt. Die bekanntesten Derivate sind Optionen, Futures, Forwards, Swaps, Optionsscheine und in Deutschland vor allem Zertifikate.

Derivate berechtigen den Käufer zum Erwerb oder zum Verkauf des dem Derivat zu Grunde liegenden Basiswertes zu einem im Voraus vereinbarten Preis zu einem späteren Zeitpunkt. Derivate sind per Definition also immer mit einem Termingeschäft verbunden, da der Abschluss der Transaktion und die Zahlung zeitlich auseinander fallen.

Derivate erfüllen vor allem drei Aufgaben:

1. Sie werden von Unternehmen und Anlegern vor allem als Instrumente zur Absicherung von auf der Zins-, Devisen-, Aktien- und Rohstoffseite bestehenden Preis- und Kursrisiken eingesetzt. Banken weisen Unternehmen inzwischen mit dem Slogan „Wer Derivate nicht einsetzt, ist ein Spekulant!“ auf die Vorteile dieser Instrumente hin.

2. Derivate werden von institutionellen und privaten Investoren vor allem auch dort eingesetzt, wo sich in zumeist ineffizienten Märkten Arbitragemöglichkeiten zwischen Kassa- und Terminmarktpositionen ergeben. Kann ein Anleger eine Aktie indirekt zum Beispiel über ein Derivat wie eine Option billiger erwerben als am Kassamarkt (an der Aktienbörse), wird er diese Möglichkeit zu einem Arbitragegeschäft nutzen, die billige Option kaufen und sie ausüben und gleichzeitig die teure Aktien verkaufen.

3. Derivate gelten bei den meisten als spekulativ eingestellt zu bezeichnenden Investoren als ideale Instrumente, um mit einem geringen Kapitaleinsatz an einer Kursbewegung des zu Grunde liegenden Basiswertes nach oben oder unten zu partizipieren und dabei einen prozentual hohen Ertrag zu erwirtschaften.

Dort wo zum Beispiel eine Aktie um zehn Prozent im Kurs steigt, kann der Wert einer der Aktie zu Grunde liegenden Option im gleichen Zeitraum um 40 Prozent und mehr steigen. Man spricht davon, dass mit geringem Einsatz von zehn bis 20 Prozent des Wertes des einem Optionsgeschäfts zu Grunde liegenden Basisinstruments ein Vielfaches an Wert bewegt wird. In der Fachsprache wird von der „Hebelwirkung“ gesprochen. J.D.

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